The Gunstringer

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Ein kleines Theater, Zuschauer gehen in den Saal, nehmen ihre Plätze ein. Eine Marionette wird von einigen Bühnenarbeitern auf die Bühne gebracht und dort in ein Grab gelegt, natürlich nur Requisite. Kurz darauf beginnt das Spiel und man übernimmt die Rolle des Puppenspielers, der die Marionette steuert. Diese ist übrigens ein Skelett in Wild West-Outfit und macht sich auf den Weg, sich an denen zu rächen, die ihn unter die Erde verfrachtet haben.
Das also ist die kurze Vorgeschichte, die der Spieler präsentiert bekommt, bevor er via Kinect in die Rolle des Gunstringers schlüpft. Schauen wir doch mal, ob man The Gunstringer lieber noch tiefer vergraben, oder ob man ihm auf seinem Rachefeldzug helfen sollte...

Bisher waren die Entwickler von Twisted Pixel Games durch Spiele wie "The Maw", "Splosion-Man" und "Comic Jumper" bekannt. Bereits in "The Maw" zeigten sie, dass in diesem Studio sehr kreative Titel entstehen.
Dies gilt auch für The Gunstringer, welches vom Prinzip her "nur" ein simpler Rail-Shooter ist, der ähnlich "Child of Eden" via Kinect gesteuert wird. Auch in The Gunstringer zeigt Twisted Pixel, dass man aus einem einfachen Spielprinzip mit Witz und Charme eine Menge herausholen kann.

The Gunstringer wird, wie erwähnt, ausschließlich via Kinect gesteuert. Neu hierbei ist, dass The Gunstringer wohl der erste Kinect-Titel ist, der komplett im Sitzen gespielt werden kann. Wer also nicht erst sein halbes Wohnzimmer ausräumen will, um eine Runde Kinect zu zocken, der ist hier schon einmal an der richtigen Adresse. Gesteuert wird nur mit den beiden Armen. Mit dem linken Arm bewegt man die Marionette nach links oder rechts, mit dem rechten Arm visiert man seine Ziele an und schießt danach.
Da der Gunstringer selbst läuft, reicht es, mit dem linken Arm die Richtung festzulegen. Manchmal kommt man auch an Abschnitte im Spiel, in denen man zusätzlich springen muß. Dies erledigt man, indem man den linken Arm einfach nach oben zieht. Logisch, denn mit der linken Hand hält man ja das virtuelle Marionettenkreuz, an dem der Gunstringer hängt.
Dies klingt vielleicht recht simpel, gerade in späteren Abschnitten wird man aber merken, dass es dies ganz und gar nicht ist. Kann man nämlich wegen der Action nicht mehr schnell genug seine Arme koordinieren, um mit dem linken z.B. Steinkugeln auszuweichen, während man mit dem rechten gleichzeitig eine ganze Gegnergruppe ausschalten muß, findet man sich schneller im Grab des Gunstringers wieder, als einem lieb ist.
Zudem bekommt man am Ende eines Levels eine Bewertung. Um die maximale Bewertung zu erreichen, kann man sich an den gespielten Leveln erneut versuchen. Dies streckt somit die recht kurze Spielzeit, denn nach etwa 4-5 Stunden hat man The Gunstringer durchgespielt. Aber wie gesagt, bis man in allen Leveln die beste Bewertung erreicht, wird einige Zeit vergehen.

Wie bereits erwähnt, läuft das Spiel so ab, als würde man eine Theateraufführung darbieten. Ab und an wird das Publikum im Saal eingeblendet oder es ist zu hören, wenn man entweder besonders gut oder besonders schlecht spielt. Neben dem Publikum ist noch ein Sprecher zu hören, der dem Publikum die Geschichte erzählt, welche man in The Gunstringer erlebt. Dies geschieht in englischer Sprachausgabe (welche jedoch sehr gut und atmosphärisch ist), deutsche Untertitel sind aber vorhanden. Zudem greifen ab und an Hände in die Spielkulisse, die diese verändern. Mal werden TNT-Fässer platziert, die dem Gunstringer helfen, seine Gegner mit einem Schuß auszuschalten, mal werden Steinbrocken geworfen, die dann auf den Gunstringer zurollen.
Bestimmte Aktionen werden zudem noch vom Sprecher kommentiert, was etwas Leben in die Sache bringt.

Die einzelnen Missionen sind sehr unterschiedlich gestaltet. Mal kommt es zu einem Shoot-Out, mal muß man einen Faustkampf überstehen. Dann gibt es Missionen, die sehr Jump'n'Run-lastig sind, andere präsentieren sich im Sidescrolling-Look und man muß z.B. eine Art Gerüst emporlaufen. Ein anders Mal läuft der Gunstringer vor Massen an Felsbrochen weg, rennt dabei auf den Spieler zu, der diesem Geröll ausweichen muß. Pro Mission braucht man einige Minuten, um diese zu absolvieren. Das bedeutet aber auch, dass sich The Gunstringer auch optimal fürs Spiel zwischendurch eignet, oder eben auch eingelegt werden kann, wenn man mal nicht viel Zeit hat.

Beim ganzen Setting von The Gunstringer hat man stark auf Humor gesetzt. Zum einen präsentiert sich der Titel in comichafter Grafik, wobei die einzelnen Level allesamt sehr liebevoll gestaltet sind. Die Gegner sorgen nicht selten dafür, dass man zu Schmunzeln beginnt, aber auch oder gerade der Gunstringer ist mehr wie einen Blick wert. Die Steuerung per Kinect läuft sehr gut ab, man kann fast kein kinect-typisches Lag spüren, hier gibt es also nichts zu meckern. Und wie bereits erwähnt, kann man The Gunstringer im Sitzen spielen, was sicher nicht zu verachten ist.
Die Soundkulisse ist vollkommen ok, zum einen ist der Hintergrundsoundtrack recht fetzig, der Sprecher passt wie die berühmte Faust aufs Auge in den Titel und die Theateratmosphäre kommt ebenfalls gut rüber.
Und wer The Gunstringer durchgespielt hat, kann sich an "Fruit Ninja Kinect" versuchen, denn dem Spiel liegt ein Downloadcode für den Arcadetitel bei
Wenn man nicht alleine spielen mag, kann übrigens ein zweiter Spieler jederzeit einsteigen. Dieser unterstützt dann beim Schießen, was es natürlich leichter macht, die Gegnermassen auszuschalten.

Fazit:
The Gunstringer kann zwar nicht durch die geringe Spielzeit überzeugen, dafür aber durch die gesamte Präsentation. Zudem ist der Preis von ca. 30.- EUR vollkommen in Ordnung. The Gunstringer ist eines der besseren Kinect-Spiele. Spieler, die Microsofts Bewegungssteuerung bereits haben, sollten bei The Gunstringer unbedingt zugreifen, da dieser Titel wohl in keiner Kinect-Sammlung fehlen darf. Ob man sich Kinect aber wegen dem Titel extra zulegen sollte, bleibt wohl jedem selbst überlassen. Ich persönlich hatte mit The Gunstringer meinen Spaß und fand es sehr angenehm, einen Kinect-Titel auch mal im Sitzen spielen zu können!