Reality Fighters

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Zum Start der PS Vita muß es quasi mindestens einen Titel geben, der eine bestimmte Funktion der neuen Konsole unterstützt. Reality Fighters nimmt sich hier die Augmented Reality-Funktion der PS Vita vor, verpackt in ein Beat'em up, welches den Spieler zum Kauf der PS Vita bewegen soll. Ob dies klappt, oder ob Reality Fighters besser in eine andere Realität abtauchen sollte? Eine Antwort dazu findet ihr, wenn ihr weiterlest...

Wer bei Reality Fighters einen Prügler mit ernsthaftem Hintergrund erwartet, der ist vollkommen fehl am Platz, denn hier wartet genau das Gegenteil auf den Spieler. Schon zu Beginn wird man dies merken, sobald man den Charakter-Editor geöffnet hat. Dank der Kameras der PS Vita darf man nun sich selbst, oder natürlich ein anderes Opfer, welches man vor die Linse bekommt, ins Spiel verfrachten. Leider merkt man hier den ersten Mangel von Reality Fighters, denn wenn die Beleuchtung nicht stimmt, wird es nichts mit dem Bild. Hat man aber letztendlich die Person abgelichtet, welche man im Spiel verkörpern möchte, wird deren Kopf auf die Spielfigur "gepflanzt".
Natürlich reicht es nicht, nur einen Kopf zu platzieren, denn der Charakter braucht nun noch entsprechende Klamotten, bevor er sich ins Kampfgeschehen stürzen darf. Etwa 400 Kostümteile warten nun darauf, angezogen zu werden. Natürlich nicht alle auf einmal, sondern aus dieser Menge darf man sich die passenden Kleidungsstücke für Arme, Oberkörper, Beine, Hände und Füße aussuchen, darf Brillen ausprobieren, Bärte ankleben, Hüte aufsetzen und seinen Charakter noch mit Accessoires wie z.B. einer Gitarre ausstatten. Natürlich darf man auch die Proportionen des Körpers anpassen. Praktisch, so werde ich ratzfatz wieder schlank...

Ist man mit der Optik seines Charakters einverstanden, speichert man diesen ab und kann... noch nicht loslegen. Denn was für einen Kampfstil soll man denn einsetzen? Zombiestyle? Lieber Ballet-Moves? Oder doch eher als Boxer oder Kung-Fu-Spezialist in den Kampf springen? Neben diesen Möglichkeiten wird man im Laufe des Spiels noch weitere freispielen, bzw. sich diese im inGame-Store für erspielte Sterne kaufen können. Gleiches gilt auch für weitere Ausrüstungsgegenstände. Wie man sieht, wird man einige Zeit im Editor verbringen können, bis man den Charakter seiner Wünsche erstellt hat.
Je nach gewähltem Kampfstil wird man übrigens mit den entsprechenden Moves ausgestattet, die man dann in den Kämpfen einsetzen kann. Es dürfte klar sein, dass man hier einiges erwarten kann, wie z.B. den Armnager, wenn man sich für Zombie entschieden hat.
Ach ja, und zu guter Letzt darf man nun sogar noch seinen ganz eigenen Siegesschrei aufnehmen, der abgespielt wird, wenn man einen Kampf gewinnt. Ob man dies zwingend unterwegs erledigen sollte, ist fraglich, die Mitmenschen in direkter Umgebung könnten sich ein wenig wundern.

Natürlich erwartet man nun, dass auch das Spiel an sich mindestens genau so umfangreich ist, wie der Editor, in dem man ja vermutlich einige Zeit verbracht hat. An Spielvarianten darf man entweder die Story auswählen, TimeAttack oder Überlebensmodus spielen oder sich mit einem anderen menschlichen Spieler messen, entweder im AdHoc-Modus, oder über das SEN. Letzte Möglichkeit stand leider zum Testzeitpunkt noch nicht zur Verfügung, da die PS Vita-SEN-Funktionen fast alle erst am 22.02. aktiviert werden.

Entscheidet man sich für die Story, wird man von Mr. Miyagi himself unter dessen Fittiche genommen. Nun darf man sich für eine mitgelieferte Arena entscheiden, oder per AR-Funktion da kämpfen, wo man will. Ob nun auf dem eigenen Schreibtisch, im Backofen, irgendwo auf der Strasse, auf seinem Hund, in der Toilette... ganz egal, dies kann sich der Spieler selbst aussuchen. Das Hereinportieren der Orte klappt auch ganz gut, zumindest so lange, wie man keine Tischkante etc. ins Bild bekommt, denn diese kann Reality Fighters nicht herausfiltern, es kann also passieren, dass die Charaktere dann in der Luft schweben.
Leider wird man hier auch recht schnell auf ein Manko stossen, denn sobald die Bewegungssteuerung eingesetzt wird, verliert die Kamera recht schnell den selbst gesetzten Fokus und es kommt zu Problemen. Nutzt man die mitgelieferten Arenen, kann man jedoch problemlos spielen.

So tritt man nach und nach gegen 14 Gegner an, sammelt Sterne und kauft damit später neue Fertigkeiten etc. Und... das war es dann auch schon fast, denn das Wichtigste in einem Prügelspiel, nämlich das Kampfsystem, bietet fast nichts. Per Stick bewegt man den Charakter, mit den vier Buttons setzt man einen der vier Grundschläge ein, per Schultertaste setzt man eventuelle Waffen ein (Gitarre sag ich hier einmal...) und per Rückseiten-Touchpad aktiviert man Spezialangriffe, welche immerhin recht witzig anzuschauen sind.
Und das war es dann auch schon, was man vom Kampfsystem erwarten kann, nicht wirklich viel und leider viel zu wenig für ein Beat'em up. So wird man sich recht schnell durch die "Story" geprügelt haben und die anderen Modi bieten einfach nicht genug Unterhaltung, um lange an den Titel zu fesseln. Nur die Kämpfe gegen andere, menschliche Gegenspieler, können Spaß machen, aber auch hier wird man nur stumpf auf den Buttons herumtippen.

Immerhin kann man noch Bilder während der Kämpfe machen, den erstellten Charakter fotografieren usw., halt einige kleine Nettigkeiten, die jedoch auch nichts mehr rausreissen können. Optisch sehen die Charaktere witzig aus, die (mitgelieferten) Umgebungen sind ok. Der Sound ist nicht überwältigend, die Sprüche von Mr. Miyagi nerven mit der Zeit eher, als dass sie unterhalten. Und zur Steuerung habe ich ja bereits etwas geschrieben, sehr wenig Moves, dafür sehr schnell erlernt, immerhin.

Fazit:
Reality Fighters ist der PS Vita-Launchtitel, den man getrost im Regal stehen lassen kann. Zumal für diesen Titel die derzeit verlangten 49.- EUR ein recht schlechter Scherz sind. Vielleicht als Downloadtitel für 10.- EUR eine Investition, mehr würde ich jedoch nicht für Reality Fighters ausgeben.
Reality Fighters bietet hierzu einfach zu wenig und ein zu simples Kampfsystem. Der Editor ist gut, die Tatsache, dass man per Kamera überall kämpfen darf, witzig, zumindest so lange, wie die Kamera nicht den Fokus verliert. Nur die Kämpfe gegen menschliche Gegner können eine Zeit lang unterhalten, aber auch hier sind einfach zu wenig Moves möglich.
Da dank "BlazBlue" und "Marvel vs. Capcom" zum Vita-Launch wesentlich bessere Prügler erscheinen, kann man sich Reality Fighters getrost schenken. Ich kann hier keine Kaufempfehlung aussprechen!

Media

  • Releasedatum: Mittwoch, 22 Februar 2012
  • Genre: Beat'em Up
  • Altersfreigabe: USK: 12
  • Plattform(en): PS Vita
  • Sprache(n): Deutsch