Silence

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Silence – dieses Wort bedeutet übersetzt soviel wie Ruhe oder Stille. Doch die ist im gleichnamigen Spiel von Daedalic nicht gegeben. Denn es herrscht Krieg und die reale Welt, in der Noah und Renie leben, wird von Luftangriffen erschüttert. Gemeinsam suchen die Geschwister Zuflucht in einem Bunker, doch bietet dieser wirklich die erhoffte Sicherheit? Oder ist er nur das Tor zu einer anderen Welt, einer Welt, die manchem Spieler bekannt vorkommen könnte, der vielleicht The Whispered World gespielt hat. Einer Welt namens Silence...

 

Bunker-Erfahrungen
Nach dem Intro von Silence befindet ihr euch mit Noah und Renie im besagten Bunker und werdet auch direkt vor eure erste Aufgabe gestellt. Denn Renie ist verängstigt und traurig und es liegt an Noah, sie wieder aufzumuntern. Ihr schlüpft in die Rolle von Noah und werdet mit der Steuerung und dem Gameplay vertraut gemacht. Gründlich umschauen, Dinge betrachten und nutzen. Schnell werdet ihr euch zurechtfinden und die im Bunker vorhandenen Dinge dazu nutzen, eure kleine Schwester zu einer Geschichte zu animieren.

Auch hier wird so manch einer aufhorchen, denn bei der Geschichte, die Noah und Renie nun gemeinsam erzählen, handelt es sich um eine Kurzform der Geschehnisse aus The Whispered World. Eigentlich hatte Silence in den Anfängen seiner Entstehung auch den Untertitel The Whispered World 2. Dieser Untertitel wurde zwar entfernt, dennoch merkt man dem Spiel an, dass es eine indirekte Fortsetzung ist. Die geflüsterte Welt von Sadwick ähnelt der Welt, in die die Geschwister quasi hineingezogen werden – Silence, doch sehr.

Der Bunker, in dem sich Noah und Renie aufhalten, wird während der Aufmunterungsgeschichte von einem schweren Luftangriff erschüttert und Renie verschwindet spurlos. Lediglich durch ihre verhallende Stimme kann Noah ihre Spur aufnehmen und findet sich kurz darauf in Silence wieder. Auf sich allein gestellt, macht er sich auf, seine Schwester zu finden. Doch ganz allein ist er nicht, denn er wird schon nach kurzer Zeit auf den dritten steuerbaren Charakter treffen: Spot. Dieser flexible und hilfsbereite Wurm spielte auch schon in The Whispered World eine entscheidende Rolle.

 

Noah und Renie im Bunker

 

Die Idylle von Silence?
Ihr findet euch in einer zauberhaften Welt wieder, die aber keineswegs so ruhig ist, wie ihr Name vermuten lässt. Denn auch in Silence herrscht Krieg, angezettelt von einer falschen Königin, die ihre Sucher ausschickt, um jeden, der ihr in die Quere kommt, zu fangen. Mit den Suchern wird Noah sehr schnell konfrontiert und nur durch die Hilfe von Kyra entkommt er der Festnahme. Kyra gehört zu einer kleinen Rebellengruppe, die sich der falschen Königin mutig entgegenstellt und den beiden Geschwistern auf ihrer Reise hilfreich zur Seite stehen wird.

Bereits bei euren ersten Schritten und Taten in Silence wird euch auffallen, dass ihr kein Inventar habt, in dem sich nach kurzer Zeit die abenteuerlichsten Gegenstände stapeln. Alles, was ihr aufsammelt, kann und muss in nächster Nähe eingesetzt werden. Für manch einen ist dies eine Idylle, da er nicht mühevoll versuchen muss, Dinge im Inventar zu kombinieren, um einen Nutzen daraus zu ziehen. Viele, besonders die Adventure-Profis unter euch, werden diesen Umstand aber ziemlich langweilig finden, weil das Spiel dadurch recht einfach wird. Und Einfachheit führt zu einer kurzen Spieldauer...

Jedoch weiß Silence durch andere Dinge als eine lange Spielzeit zu begeistern. Dafür sorgen schon die drei spielbaren Charaktere Noah, Renie und Spot, die so ihre ganz eigenen Marotten haben. Einer kann nicht gut werfen, ein anderer leckt gerne an den verschiedenen Dingen, die er findet und macht dadurch seine ganz speziellen Erfahrungen und der Nächste wandelt je nach Situation seine Erscheinungsform. Dadurch eröffnen sich viele Handlungsoptionen und zahlreiche Wechsel zwischen den Charakteren werden im Laufe des Spiels nötig, um voranzukommen.

 

Silence ist wirklich schön anzuschauen

 

Alles hat seinen Preis
Ganze vier Jahre hat die Entwicklung von Silence gedauert und das hat sich auch gelohnt. Anders als noch in anderen Adventures von Daedalic, wie etwa The Whispered World oder Deponia, erwarten euch hier keine 2D-Charaktere und -Objekte, sondern diese wurden in 3D modelliert. Die Umgebungen sind allerdings immer noch 2D-Hintergründe, wie gewohnt handgezeichnet. Dadurch wirken die einzelnen Charaktere sehr real und gerade Spot wird euch in seiner 3D-Erscheinung sicher sehr schnell ans Herz wachsen. Dazu kommt noch eine gute Beleuchtung mit vielen kleinen stimmungsvollen Effekten.

Allerdings müsst ihr im Gegenzug mit häufig auftretenden Ladezeiten zurechtkommen, die quasi bei jedem Gebiets- oder Charaklerwechsel auftreten. Zwar sind diese Ladezeiten jeweils recht kurz, zusammengenommen bilden sie aber einen recht hohen Anteil an Silence. Eine Wiedergutmachung für die vielen Ladezeiten ist der Soundtrack, der sehr viel zur ständig wechselnden Atmosphäre beiträgt. Ob nun leise Klaviermusik, wenn alles friedlich ist oder finstere, teils dramatische Musik, wenn Gefahr droht. Ebenso gut passt die Vertonung der einzelnen Charaktere.

Die Sprecher von Noah, Renie und all den anderen Bewohnern von Silence sind durchweg gut, auch wenn manche Sprüche eher flach sind. Selbst Spot gelingt es, mittels seiner verschiedenen Quietschtöne seine momentane Stimmungslage kundzutun, ein Umstand, der ihn noch liebenswerter macht. Noah verkörpert immer mehr die Rolle von Sadwick aus The Whispered World und wer weiß, vielleicht gibt es da ja einen Zusammenhang? Lauscht der Geschichte am Anfang gut und zieht eure eigenen Schlüsse, was Silence wirklich ist.

 

Teils wunderliche Gestalten erwarten euch

 

Fazit:
Daedalic hat es wieder einmal geschafft das Adventure-Genre aufzumischen. Mit Silence regen sie die Spieler zwar nicht zu herausfordernden Inventar-Knobeleien oder langatmigen Rätseln an, dafür aber zum Nachdenken und Mitfühlen. Die Story und die Spielwelt ziehen euch sehr schnell in ihren Bann, Noah, Renie und Spot werden euch fix ans Herz wachsen. Dazu kommen noch der tolle Soundtrack, der die Atmosphäre der Welt Silence gut einfängt und die gelungene Vertonung der Charaktere.

Leider kommen die Nebenfiguren manchmal etwas zu kurz und die vielen Ladezeiten stören zeitweise den Spielfluss. Auch das fehlende Inventar wird so manch einen stören, dennoch erfordern viele Rätsel, dass ihr eure grauen Zellen etwas anstrengt, auch wenn ihr nicht stundenlang Gegenstände kombinieren müsst. Profis im Adventure-Genre werden wohl nach ca. fünf Stunden eines der Enden von Silence erblicken, Neulinge brauchen da etwas länger.

Moment – eines der Enden? Hat Silence etwa mehr zu bieten? Findet es heraus, ein erneutes Durchspielen lohnt sich, überdenkt eure Aktionen und vielleicht verändert sich die Geschichte... Schafft ihr es, Silence mitsamt seinen fantastischen Bewohnern vor dem Untergang zu retten? Welchen Verlauf wird eure Geschichte nehmen?

Jeder, der Adventures mag und sich von den kleinen Schwachstellen des Spiels nicht abschrecken lässt, sollte auf jeden Fall zugreifen und sich so die langen dunklen Winterabende mit einer märchenhaften Geschichte erhellen!

Pro:

- Zum Nachdenken anregende Geschichte

- Stimmungsvolle Spielwelt

- Gelungener Soundtrack

- Drei steuerbare Charaktere

- Einfache Steuerung

Contra:

- Recht kurze Spielzeit

- Viele Ladezeiten

 

Getestet auf: PS4

 

 

Media



  • Releasedatum: Dienstag, 15 November 2016
  • Preis: 39,99 €
  • Genre: Adventure
  • Altersfreigabe: USK: 12
  • Plattform(en): PS4, PC
  • Sprache(n): Deutsch