Yesterday Origins

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Habt ihr euch schon einmal vorgestellt, nach eurem Ableben immer wiedergeboren zu werden? Genau dies geschieht mit John Yesterday. Nachdem er vor 500 Jahren von der spanischen Inquisition wegen angeblicher Hexerei inhaftiert wurde, gelingt ihm dank der Hilfe eines mysteriösen Ordens die Flucht aus dem Verlies. Durch ein alchemistisches Ritual eben dieses Ordens wird er unsterblich, was zur Folge hat, dass er immer wiedergeboren wird und zwar in dem Alter, in dem er starb. Klingt verlockend? Nur auf den ersten Blick, denn die Sache hat einen Haken...

 

Pro oder Contra Unsterblichkeit?
Der Haken an der Sache ist, dass bei seinem alchemistischen Trank eine wichtige Zutat vergessen wurde. Das hat zur Folge, dass John zwar immer wiedergeboren wird, dies allerdings ohne jegliche Erinnerungen an sein letztes Leben. Das ist natürlich ärgerlich, zumal ihn in letzter Zeit immer wieder Erinnerungsfetzen in Form von Albträumen plagen. Diese Erinnerungsfetzen erlebt ihr hautnah, da ihr John in und durch diese steuert und seine Zeit vor der Transformation miterlebt. Vielleicht erfahrt ihr, was damals schiefging bei der Sache mit der Unsterblichkeit?!

Pauline Petit, seine Freundin, ist ebenfalls unsterblich, allerdings kann sie sich nach den Wiedergeburten an die Vergangenheit erinnern. Und daher macht sie sich dies auch des öfteren zu Nutzen, um unangenehmen Dingen – wie etwa Falten – zu entgehen. Pauline betreibt das kleine Antiquitätengeschäft Le Tout Petite, einen der Schauplätze von Yesterday Origins. Die Finanzen des Geschäftes stehen mehr als schlecht, weshalb ein lukrativer Auftrag her muss, der auch schon bald in Sicht ist. Doch wie hängt er mit der Unsterblichkeitssache zusammen?

Gesteuert werden können beide Charaktere, wobei ihr den größten Tel des Spiels mit John verbringt, Pauline hat leider eher eine Nebenrolle, Sie ist zum einen nur in der Gegenwart tätig, zum anderen bekommt sie außer dem Antiquitätengeschäft, einem Hausboot und der Villa der potentiellen Kundin nicht viel von den über 50 Schauplätzen zu sehen. Im Le Tout Petit bietet sie mit ihrem Computer zumindest die Chance, die Ereignisse des Vorgängertitels „Der Fall John Yesterday“ nachzulesen.

 

John und Pauline, die beiden Hauptcharaktere

 

Vergangenheit und Gegenwart
Yesterday Origins
ist ein klassisches Point&Click-Adventure, was für euch natürlich jede Menge Sucharbeit, Rätsel und Inventarknobeleien bedeutet. Jeder noch so kleine Hinweis könnte wichtig sein, jedes Gespräch birgt vielleicht wichtige Informationen. Durch Ereignisse in der Gegenwart werden immer wieder Flashbacks bei John ausgelöst, die ihn in die Vergangenheit reisen lassen. Seid ihr in der Gegenwart mit beiden Charakteren an einem Schauplatz, könnt ihr per einfachem Tastendruck zwischen den beiden wechseln.

John und Pauline füllen bei ihren Ermittlungen nicht nur ihr Inventar, sie sammeln auch Erkenntnisse, die separat angezeigt werden. Am unteren Bildschirmrand befindet sich dabei links euer Inventar, rechts sind die Erkenntnisse aufgelistet. In der Mitte ist der in der jeweiligen Szene verfügbare Charakter angezeigt. Sind beide Charaktere anwählbar, könnt und müsst ihr auch Gegenstände oder Informationen unter ihnen austauschen. Sprecht ihr mit anderen Personen, könnt ihr jedes Inventarobjekt und jedes Erkenntnis auf sie anwenden, um dadurch eventuell weiterzukommen.

Gerade in der Vergangenheit ist es auch extrem wichtig, die Personen, denen ihr mit John begegnet, zu beobachten. Wählt ihr eine Person an, so erscheinen zwei Optionen, nämlich Reden und Beobachten. Bei der Beobachtung könnten euch wichtige Details auffallen, die dazu führen, dass weitere Interaktionen in der Umgebung möglich werden, z.B. dass die Ähnlichkeit mit einer anderen Person dazu führt, dass ihr einen Brief schreiben könnt, der euch wiederum in der Story weiterbringt.

 

Welche Geheimnisse birgt das Kloster in der Vergangenheit?

 

Untersuchung, Kombination und Erkenntnis-Einsatz
Sich an den einzelnen Schauplätzen gut umzuschauen, ist prinzipiell wichtig. Alle wichtigen Hotspots werden euch angezeigt, sobald ihr euch ihnen nähert, wählt ihr einen davon an, wechselt Yesterday Origins oft in eine Nahansicht, in der ihr euch noch intensiver dort umschauen könnt. Dies geschieht mit dem rechten Analogstick, der linke Stick dient der Fortbewegung des gerade angewählten Charakters. In der Nahansicht könnt ihr wichtige Details entdecken, die entweder mit einem Gegenstand aus eurem Inventar kombiniert werden können oder in eben dieses wandern.

Ist eine Kombination mit einem Inventargegenstand möglich, erscheinen neben der Detailansicht des Gegenstandes weitere Fensterchen mit Fragezeichen darin, in die ihr dann ein Inventarobjekt einsetzen könnt. Dadurch erscheinen zuweilen weitere Fragezeichen-Felder, was euch darauf hinweist, dass weitere Objekte nötig sind, um weiterzukommen. Die Erkenntnisse helfen euch dabei oftmals weiter, ebenso können sie euch an neue Orte führen, die bisher nicht zugänglich waren. Um bei eurem Fluchtplan anfangs Fortschritte zu machen, müsst ihr beispielsweise mehr über euren Wächter herausfinden.

Ebenso könnt ihr Gegenstände im Inventar direkt miteinander kombinieren, wobei hier allerdings nicht immer alles logisch ist. Wieso kann man einen Pfeil nicht mit einer Armbrust kombinieren, umgekehrt ist diese Kombination aber möglich? Von daher empfiehlt es sich, einfach mal zu versuchen, alles mit allen zu kombinieren.. Allerdings kann dies auch dazu führen, dass es im Spiel gar nicht weitergeht, gewisse Interaktionen können nämlich dazu führen, dass das Spiel einfriert und ihr einen früheren Speicherstand laden müsst.

 

Welche Inventarobjekte lassen sich hier verwenden?

 

Die Sache mit dem Speichern...
ist so eine Sache für sich. Yesterday Origins verfügt über ein automatisches Speichersystem, welches allerdings nur nach bestimmten Interaktionen speichert und nicht in einer gewissen Regelmäßigkeit. Und dann auch nur nach Interaktionen, die euch in der Geschichte weiterbringen. Seid ihr allerdings neu am einem Schauplatz angekommen, habt ein paar Gegenstände eingesammelt oder einige Dialoge geführt, ohne storytechnisch Fortschritte gemacht zu haben und entschließt euch dann, zu einem späteren Zeitpunkt weiterzuspielen, müsst ihr alles nochmal machen.

Dadurch wird euch eine gewisse Spieldauer nahezu aufgezwungen, friert das Spiel aufgrund einer Interaktion ein, ist es dasselbe. Das kann sich als etwas störend auswirken, beim Test kam das Einfrieren aufgrund einer Interaktion jedoch „nur“ zweimal vor. Die Gesamtspieldauer liegt bei ca. 10 Stunden, je nachdem, wie geübt ihr in diesem Genre seid und wie kombinationsfleißig ihr euch zeigt. In dieser Zeit kommt ihr viel herum und lernt zahlreiche mehr oder weniger sympathische und skurrile Charaktere kennen.

 

John bei einem seiner Gegenwarts-Ausflüge

 

Weiterer technischer Kram
Grafisch kann Yesterday Origins auf ganzer Linie punkten. Abwechslungsreiche Schauplätze mit handgemalten Hintergründen wurden stimmungsvoll in Szene gesetzt, auch über fehlenden Detailreichtum kann man sich kaum beschweren. Die verschiedenen Charaktere wurden flüssig animiert und sind auch mit verschiedenen Mimiken bedacht worden. Zwischensequenzen werden in dem typischen Pendulo-Stil präsentiert, aufgebaut wie ein Comic. Die deutschen Untertitel sind gut lesbar, bergen aber manchmal Rechtschreibfehler in sich.

Auch der Sound passt immer gut zum jeweiligen Geschehen oder Schauplatz. Die Hintergrundmusik wird nicht nervig und die Sprachausgabe kann auf Wunsch in englisch oder französisch erfolgen. Im Gegensatz zu den Dialogen sind die Gedankengänge von John und Pauline nicht vertont, sondern nur mittels der Untertitel zu verfolgen. Die einzelnen Sprecher machen ihre Sache gut, besonders hörenswert ist dabei die Bewohnerin des Hausboots, auf das es Pauline im Laufe der Geschichte verschlägt.

Bei der PS4-Fassung, die wir getestet haben, kam es allerdings zeitweise zu Aussetzern des Soundtracks und manche Zwischensequenzen ruckelten etwas. Das fällt aber nicht tragisch ins Gewicht, störender waren die beiden aufgetretenen Freezes, bei denen nur ein Neustart des Spiels weiterhalf.

Yesterday Origins wird in einem ganz besonderen Stil präsentiert

 

 

Fazit:
Wer auf der Suche nach einem abwechslungsreichen, gut in Szene gesetzten Point&Click-Adventure für seine/ihre PS4 ist, sollte sich Yesterday Origins ruhig einmal anschauen. Die Präsentation ist gelungen, die verschiedenen Schauplätze laden zum Erkunden ein. Auch die Story ist durchaus spannend, denn wer möchte nicht herausfinden, was bei der Transformation von John damals schiefgelaufen ist? Lediglich zum Finale hin wird die Story etwas schwach und das Finale kommt gefühlt zu plötzlich. Bis dahin kann die Story aber sowohl inhaltlich als auch erzähltechnisch überzeugen.

Die technische Seite hat einige Macken, wie etwas die teilweise auftretenden Soundtrack-Aussetzer, das Ruckeln in den Zwischensequenzen oder die Freezes, die auftreten können. Auch das Speichersystem ist nicht so ganz das Gelbe vom Ei. Wer über diese Mankos hinwegsehen kann, bekommt ein solides Adventure für seine PS4, welches rein inhaltlich punktet und euch interessante Charaktere, eine etwas andere Erzählweise und viel schwarzen Humor bietet. Wer den ersten Teil gespielt hat, möchte ohnehin wissen, wie es mit John Yesterday weitergeht, oder?

 

Pro:

- interessante Story

- jede Menge abwechslungsreicher Schauplätze

- zwei spielbare Charakter

- schöner Soundtrack

- Erkenntnisse spielen eine tragende Rolle

Contra:

- Pauline hätte mehr involviert werden können

- gelegentlich Ausfälle beim Soundtrack

- Freezes bei bestimmten Interaktionen möglich

- Speichersystem nicht ganz optimal

 

Getestet auf: PS4

 

 

Media

  • Releasedatum: Donnerstag, 10 November 2016
  • Genre: Adventure
  • Altersfreigabe: PEGI: 18
  • Plattform(en): PS4, PC, Mac, Xbox One
  • Sprache(n): Englische und französische Sprachausgabe, deutsche Untertitel