Total War: Warhammer

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Erstmals trifft Total War auf ein Fantasy-Setting und will der altbekannten Serie so einen völlig neuen Stempel aufdrücken. Am grundsätzlichen Spielprinzip hat sich dadurch zwar nichts verändert, es wurden aber jede Menge Spielmechaniken zusammengestaucht. Das gewährleistet zwar eine gute Einsteigerfreundlichkeit, doch sowohl Fans als auch die Langzeitmotivation könnten eventuell darunter leiden.

 

Fraktionen und Helden
Zu Beginn von Total War: Warhammer habt ihr zunächst die Qual der Wahl, euch für eine der vier spielbaren Fraktionen zu entscheiden. Menschen, Zwerge, Grünhäute und Vampirfürsten sind gerne bereit, sich unter eurer Führung die Weltherrschaft zu schnappen. Total War-Veteranen dürften vielleicht etwas enttäuscht sein, weil einige wichtige Fraktionen wie etwa die Waldelfen nicht den Sprung ins Fantasy-Setting geschafft haben und es insgesamt nur vier Fraktionen gibt. Doch jede der spielbaren Fraktionen bringt ihre ganz eigenen Tricks und Spielmechaniken mit, wodurch sie sich grundlegend unterscheiden. Zwerge können z.B. durch unterirdische Tunnel reisen, während die Vampire nur über verderbtes Land reisen dürfen usw.. Streng genommen gibt es fünf Fraktionen, denn per DLC könnt ihr auch die Kontrolle über die Chaos-Krieger übernehmen.

Am Anfang der einzelnen Kampagnen von Total War: Warhammer müsst ihr euch für einen Helden eurer Fraktion entscheiden, der euch dann mit mächtigen Fähigkeiten unterstützt. Jede Fraktion bietet dabei insgesamt zwei Helden, wobei ihr den, den ihr nicht genommen habt, im späteren Spielverlauf ebenfalls noch rekrutieren dürft. Eure Helden leveln ganz rollenspieltypisch, wobei euch sehr große Fähigkeitenbäume zur Verfügung stehen, die euch unterschiedlichste Spezialisierungen erlauben, mit Objekten, die ihr in Kämpfen erbeutet, könnt ihr sie zudem immer besser ausrüsten. War es in alten Total War-Teilen noch so, dass man seinen General lieber möglichst aus Kämpfen herausgehalten hat, ist hier ein Umdenken bitter nötig, denn ihr wollt wohl kaum auf eure mächtigste Waffe verzichten.

Eine umfassende Story dürft ihr aber leider nicht erwarten, es gibt zwar kleinere Geschichten, die die Kampagnen auflockern und auch die Questschlachten der einzelnen Helden sind recht interessant, aber gerade diese hätten gerne etwas mehr bieten dürfen. Meist hält euer Held nur eine kleine Ansprache und die eigentliche Schlacht geht los. Selbst Entscheidungen, die ihr während der Kampagnen trefft, haben keine größeren Auswirkungen auf die weiteren Geschehnisse. Den einzigen erzählerischen Rahmen bieten die Meldungen über die Chaos-Invasion, diese sind zumindest spannend und verlangen euch so manche unliebsame Entscheidung ab.

 

 


Sinnvolle Vereinfachungen?
Total War: Warhammer
ist sehr einsteigerfreundlich und bietet viele Vereinfachungen, so ist der Provinzausbau besser planbar und auf verschachtelte unübersichtliche Menüs wurde verzichtet. Leider ist der Provinzausbau dadurch aber grundlegend immer gleich, da die Möglichkeiten recht überschaubar sind und sich dadurch schnell Langeweile einschleicht. Grundlegende Spielmechaniken wurden ganz über den Haufen geworfen, die Nahrungsversorgung der Provinzen spielt z.B. keine Rolle mehr und Ressourcen liefern keine besonderen Boni mehr. Ihr dürft auch nicht frei entscheiden, in welche Richtung ihr expandiert, sondern werdet hier stark an die Leine genommen, so dürfen Menschen beispielsweise keine feindlichen Fraktionen erobern, sondern sie nur niederbrennen, Zwerge dürfen nur Ork- und Zwergsiedlungen einnehmen und ähnliches. Es gibt also jede Menge Einschränkungen, die dem Spielspaß nicht gerade zuträglich sind.

Einer der wichtigsten Aspekte von Total War: Warhammer sind die Schlachten, die euch erwarten. Diese erfüllen eigentlich alle Erwartungen, fordern sie doch je nach gewählter Fraktion die unterschiedlichsten Strategien von euch. Vampire haben beispielsweise keine Nahkämpfer, dafür aber die stärksten fliegenden Einheiten, die Grünhäute warten mit riesigen Kreaturen auf und prügeln sich durch die Reihen. Auch Magie darf gewirkt werden, jedoch bedienen sich alle Magiewirker aus einem gemeinsamen schlachtübergreifenden Manapool, der sich leider nicht allzu schnell regeneriert. Daher solltet ihr eure Zaubersprüche stets mit Bedacht einsetzen, um nicht in entscheidenden Situationen manalos dazustehen. Zwar haben die Einheiten fast alle klassischen Fähigkeiten verloren, wie etwa das Bilden einfacher Formationen, dies ist aber nicht so tragisch wie die anderen Vereinfachungen des Spielprinzips.

Es gibt zudem Vereinfachungen, die sich durchaus positiv auf das Spielgeschehen auswirken. Musstet ihr damals noch eine feindliche Stadt im Gesamten belagern, so erwartet euch in Total War: Warhammer nur ein einziger Mauerabschnitt, auf den ihr euch konzentrieren müsst. Das sorgt für schnellere Gefechte und auch die Wegfindung funktioniert besser als in anderen Teilen der Total War-Serie. Zudem kann fast jede Einheit Belagerungsleitern einsetzen und durch die Fantasy-Einheiten zu Luft lassen sich gezielte schnelle Angriffe machen. Auch die KI macht ihre Sache ordentlich und schafft es oftmals euch damit zu überraschen, dass sie sich an eurer Verteidigung vorbeischmuggelt oder euch auf dem Schlachtfeld in die Zange nimmt. Genau so, wie ihr Schwachstellen eurer Gegner geschickt zu eurem Vorteil nutzen könnt, vermögen die KI-Einheiten dies ebenso, was für einen abwechslungsreichen Spielablauf sorgt.

 

Kreaturen dienen als Unterstützung

 


Schlachten und Provinzen

Die Präsentation von Total War: Warhammer ist gelungen, euch erwarten detaillierte Einheiten, die zudem noch schön animiert sind. Die Schlachtfelder sind im Gegenzug oft sehr detailarm. Die Fraktionen unterscheiden sich sowohl spielerisch als auch optisch stark voneinander, strategische Aspekte spielen eine große Rolle. Durch gewisse Vereinfachungen sind besonders die Schlachten schneller geworden, wobei auch die KI einen guten Job erledigt. Gerade durch die verschiedenen Fraktionen habt ihr einen hohen Wiederspielwert, denn gewiss wollt ihr die Stärken und Schwächen jeder Fraktion umfassend kennenlernen. Leider könnt ihr die Schlachten fast nur aus der Vogelperspektive bewundern, beim näheren Heranzoomen verliert ihr leicht die Übersicht und das Kommandieren fällt euch schwer.

Die Vereinfachungen beim Provinzaufbau sorgen dafür, dass sich jede Provinz ziemlich gleich entwickelt, Individualität ist hier nicht so gegeben, wie in anderen Teilen der Total War-Serie. Auch die Kampagnenkarte ist sehr vereinfacht worden, dennoch wirkt das Interface immer noch überladen. Es ist einfach zu wenig zu tun, was auch Auswirkungen auf die Schwierigkeit hat. Zum einen ist die Kampagne kürzer als in den Vorgängern, zum anderen wird sie viel zu leicht, wenn ihr erst einmal eine gewisse Überlegenheit erreicht habt. Positiv anzumerken ist allerdings wieder die umfassende Möglichkeit, seine Helden auszubauen, was mittels großer Fähigkeitenbäume möglich ist. Eine bessere Balance bei den unterschiedlichen Spielelementen hätte Total War: Warhammer auf alle Fälle gut getan.

 

 

Die Belagerung konzentriert sich auf einen Mauerabschnitt

Fazit:

Die Idee, Total War und Warhammer zusammenzubringen, ist grundsätzlich gelungen. Vier bzw. fünf spielbare Fraktionen mit ihren unterschiedlichen Einheiten, motivierende, strategische Schlachten und eine gelungene optische Umsetzung sorgen für Spielspaß und Wiederspielwert. Auf der anderen Seite wurde das ursprüngliche Spielprinzip stark vereinfacht, der Provinzausbau gestaltet sich sehr eintönig und manche Einheiten haben so einiges verlernt. Hartgesottene Total War-Spieler werden eventuell nicht glücklich mit Total War: Warhammer, sie sollten aber ebenso wie Strategie-Fans mal einen Blick riskieren, denn die Präsentation des Spiels ist gelungen.

Zu bemängeln ist, dass eine umfassende Story fehlt. Zwar gibt es kleinere Story-Stränge, diese gehen aber schnell unter, zumal auch nur wenige Videos implementiert wurden, die das Ganze vielleicht etwas in Szene setzen. Entscheidungen, die ihr trefft, haben keine großen Auswirkungen aufs Gesamtspiel. Das war in den Vorgängern der Total War-Serie eindeutig besser, was eventuell daran liegen könnte, dass dort historische Ereignisse zu Grunde lagen.

 

Media

  • Releasedatum: Dienstag, 24 Mai 2016
  • Preis: 54,99€
  • Genre: Horror
  • Altersfreigabe: USK: 12 / PEGI: 16
  • Plattform(en): PC
  • Sprache(n): Deutsch