Little Nightmares

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Jeder hat in seinem Leben schon einmal Albträume gehabt, in denen er Erlebtes oder Gesehenes auf merkwürdigste Art und Weise verarbeitet. Oft reichen kleine Anlässe, damit man abrupt aufwacht und sich erst einmal zurechtfinden muss. So auch bei Six, der kleinen Protagonistin von Little Nightmares. Gehüllt in einen gelben Regenmantel nebst Hut erwacht sie in einem Reisekoffer, nachdem sie von einer geheimnisvollen Frau geträumt hat. Es ist sehr dunkel und die Umgebung sieht nicht gerade einladend aus.

 

Wo bin ich?
Das ist wohl die Frage, die sich jeder Spieler stellen wird, nachdem er in der Rolle von Six erwacht ist. Mühsam werden die ersten Schritte getätigt, was ihr so anstellen könnt, müsst ihr selber heraus finden, ein Tutorial wird euch nicht geboten. Also probiert ihr aus, was geht und werdet schnell feststellen, dass ihr springen und greifen könnt und zudem im Besitz eines Feuerzeugs seid, dass euch euren zukünftigen Weg durch... ja durch was eigentlich... erhellt. Schon hier werdet ihr von der Atmosphäre gefangen genommen.

Eure Umgebung ist auf jeden Fall ziemlich groß und ihr wirkt im Gegensatz dazu verschwindend klein. Doch das hat durchaus auch seine Vorteile, denn so passt ihr durch enge Schächte und könnt euch in Nischen und unter Tischen etc. verstecken. Doch müsst ihr euch überhaupt verstecken? Ist außer euch noch jemand in diesem scheinbar riesigen Komplex? Fragen über Fragen, die über Six hereinstürmen. Und so macht ihr euch auf den Weg, um Six eventuell aus ihrem scheinbar immer noch anhaltenden Albtraum zu befreien.

 

Es warten einige Kletterpartien

 

Die Erkundung der Umgebung
Ein sehr wichtiger Aspekt von Little Nightmares ist es, dass ihr euch immer gründlich umschaut, sofern es die Umstände zu lassen. Auf diese Weise findet ihr nicht nur Möglichkeiten, von einem Raum in den nächsten zu gelangen, sondern ihr findet auch allerlei, dessen Bedeutung jedoch nicht ganz offensichtlich ist. Was hat es mit den kleinen Lampen auf sich, die ihr mithilfe eures Feuerzeugs entzünden könnt? Sind es Checkpoints, die euren Fortschritt speichern und euch als Wiedereinstiegspunkt dienen, wenn euch etwas passieren sollte?

Welche Rolle spielen die kleinen wichtelähnlichen Wesen, die euch von Zeit zu Zeit über den Weg laufen? Und was macht ihr mit den Statuetten, die ihr finden könnt? All diese Dinge scheinen euch nicht zu schaden, doch auch davon erwarten euch bereits im ersten Abschnitt des Spiels einige. Ihr müsst selber herausfinden, wann es ratsam ist, sich langsam durch die Dunkelheit zu bewegen oder die Beine in die Hand zu nehmen. Denn lasst ihr euch erwischen, ist es vorbei. Nein, nicht das komplette Spiel, ihr erwacht wieder und könnt erneut euer Glück in dem Bereich versuchen.

Jeder Raum bietet Möglichkeiten, ihm zu entkommen. Sei es nun durch geschickte Kletterpartien, durch die Nutzung von im Raum befindlichen Gegenständen oder anderes. Oftmals sind die geforderten Aktionen zeitabhängig, etwa wenn ihr einen Schalter betätigt oder eine Kurbel dreht. Und ihr werdet sicherlich das ein oder andere Mal scheitern, aber das gehört zu Little Nightmares eben dazu: Trial & Error sind immer an eurer Seite. Dem ein oder anderen gefällt so etwas vielleicht nicht, aber ihr solltet euch trotzdem darauf einlassen, denn schließlich wollt ihr Six nicht alleine in dieser Umgebung lassen.

 

Achtet auf die Wichtel

 

Die Bewohner des...?
Auf eurem Weg durch die ungastliche Umgebung werden euch einige Örtlichkeiten und Details vielleicht seltsam vorkommen, denn vergitterte Spielzimmer oder riesige Käfige scheinen nicht gerade als normale Einrichtung zu gelten. Zudem sehen die Bewohner eurer Umgebung doch sehr seltsam aus und sie sind nicht unbedingt erfreut darüber, dass ihr so ungeniert herum rennt. Stets müsst ihr daher auf der Hut sein, immer darauf bedacht, möglichst nichts Auffälliges zu tun. Ab und an ist dennoch nur die rasche Flucht der einzig richtige Weg und auch dabei solltet ihr euch eure Umgebung zu nutze machen.

Little Nightmares ist in verschiedene Bereiche unterteilt, die ihr nach und nach durchqueren werdet und jeder Bereich bringt euch nicht nur der Befreiung aus dem Albtraum weiter, sondern konfrontiert euch mit neuen Gegnern. Gerade wenn ihr denkt, dass ihr halbwegs in Sicherheit seid, tauchen neue Gefahren auf, denen ihr euch stellen müsst. Ihr freut euch, dass ihr in der Küche an einem helleren Ort seid? Freut euch nicht zu früh, denn alleine seid ihr hier beileibe nicht. Und es wartet nicht nur ein Gegner auf euch, die Küche ist ein wirklich betriebsamer Ort.

 

Flieht so schnell ihr könnt!

 

Erkenntnisse?
Six gelangt für kurze Zeit auch mal an die frische Luft und ihr als Spieler werdet euch wiederum fragen, wo ihr eigentlich gelandet seid. Auf jeden Fall wurde in der Küche scheinbar nicht nur für die Bewohner gekocht. Doch was geschieht eigentlich an dem Ort, an dem ihr euch befindet? Und was hat die geheimnisvolle Frau damit zu tun, die scheinbar die Abläufe zu überwachen scheint? Welcher Weg führt euch in die Freiheit? Und ist es wirklich die Freiheit oder nur der Beginn eines neuen Albtraums? Little Nightmares lässt viele Fragen offen und bietet reichlich Interpretierungsmöglichkeiten.

Ein gewisser Wiederspielwert wird euch ebenfalls geboten, zumindest, wenn ihr 100% erreichen wollt. Little Nightmares hat zwar keine Platintrophäe, aber genug Trophäen, die ihr beim ersten Durchspielen wohl nicht holen werdet. Zum einen, weil ihr euch vielleicht doch nicht gründlich genug umgeschaut habt, zum anderen weil sie teilweise echt trickreich sind und man gar nicht alleine darauf kommt, das ein oder andere zu machen. Gewiss, man weiß dann den Weg durch die Örtlichkeiten, aber trotzdem wird einen die Atmosphäre wieder und wieder packen.

 

Seid ihr hier sicher?

 

Die technische Seite der kleinen Albträume
Grafisch erinnert Little Nightmares an Spiele wie Limbo oder INSIDE, alles ist in eher dunkleren Farben gehalten, oft warten sehr dunkle Passagen auf euch. In jedem Schattenbereich könnte etwas verborgen sein, entweder freundlich oder feindlich und nicht alles Gute kommt von oben! Trotz der Dunkelheit könnt ihr im Schein eures Feuerzeugs die Umgebung ausreichend erkunden, um euren Weg fortzusetzen. Doch achtet darauf, dass ihr keine Spuren hinterlasst und auf was ihr euch bewegt, es könnte euch das Leben retten.

Akustisch werden euch ebenfalls viele Schockmomente geboten und das nicht etwa durch wahllos platzierte Jumpscares. Nein, das ganze Gebilde, in dem ihr euch befindet, scheint in ständiger Bewegung zu sein und da ächzt eben mal das Metall oder etwas verschiebt sich und erzeugt dabei Geräusche. Ab und an ertönen leise Klänge und stellenweise setzt auch Musik ein. Auch Six ist nicht ganz stumm, auch sie lässt gelegentlich mal ein Ächzen hören und ihr Magen kann wirklich sehr laut knurren. Diese Akustik ergibt gemeinsam mit der düsteren und geheimnisvollen Grafik ein wunderbares Ambiente.

Die Steuerung ist schnell erlernt, jedoch nicht unbedingt schnell gemeistert. Klar, ihr habt mit Six nur begrenze Möglichkeiten und könnt euch gegen die meisten Gegner nicht zur Wehr setzen. Aber ihr könnt euch langsam fortbewegen, rennen und nach Dingen greifen. Doch schafft ihr das alles auch, wenn ihr gejagt werdet, wenn ihr im entscheidenden Moment nach etwas greifen oder springen müsst? Lässt eure angespannte Stimmung die richtigen Aktionen zu, wenn diese gefordert werden? Findet es heraus!

 

Die Dunkelheit überwiegt

 

Fazit:
Little Nightmares
in ein bestimmtes Genre zu stecken, ist in meinen Augen kaum möglich. Es ist kein direktes Horrorspiel, auch wenn es wirklich spannend und oft auch gruselig ist. Doch die Spannung ist eher auf der psychologischen Ebene angesiedelt. Gleichzeitig werden euch zahlreiche Schleichpassagen geboten, gepaart mit kleineren Jump'n'Run-Einlagen. All dies zusammen genommen ergibt aber ein wirklich gutes Spiel, das man sich auf jeden Fall einmal anschauen sollte.

Die Spielzeit ist zugegebenermaßen nicht sehr lang, geübte Spieler werden wohl nach ca. vier Stunden schon den Abspann sehen, aber in dieser Zeit erlebt ihr ein Wechselbad der Gefühle, in dem ihr ein ums andere Mal gefordert werdet. Gewiss sind manche Stellen fast nur im Trial & Error-Prinzip schaffbar, aber die Checkpoints sind immer fair gesetzt, so dass ihr euer Glück erneut versuchen könnt. Ist Six am Ende des Spiels in Freiheit oder beginnt für sie jetzt erst der wahre Albtraum? Findet es heraus und begleitet sie auf ihrem Weg durch das monströse Gebilde, in dem sie gefangen ist.

 

Pro:

- Schön gestaltete Umgebungen

- Skurrile Gegnertypen

- Viele Rätsel

- Fair gesetzte Checkpoints

- Fesselnde Atmosphäre

- Ein Wechselbad der Gefühle

Contra:

- Eher geringe Spieldauer

- Finale ist eher unspektakulär und lässt viele Fragen offen

 

 

Getestet auf: PS4

 

 

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