Dragon Quest Heroes II

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Spiele, in denen ihr euch durch Gegnermassen schnetzeln müsst, gibt es inzwischen eine ganze Menge. Ausgangspunkt war hier wohl am ehesten die Warriors-Serie, die mit Titeln wie Dynasty Warriors und Ultimate Warriors schon lange fester Bestandteil von gut sortierten Spielesammlungen ist. Gerade in Japan, wo sich die Spiele dieser Serien noch immer großer Beliebtheit erfreuen. Problem bei den Spielen der Warriors-Serien ist, dass sie sich in erster Linie mit der japanischen Geschichte beschäftigen, die hierzulande viele Spieler nicht an den Bildschirm lockt. Auch hinken diese Serien ein wenig den aktuellen Möglichkeiten hinterher und sind technisch nicht auf dem Stand der Zeit.

Es gibt jedoch auch Ableger des Spielprinzips, die auch für westliche Spieler nicht uninteressant sind. Da wären z.B. Hyrule Warriors, in dem bekannte Nintendo-Charaktere auftraten oder Dragon Quest Heroes: Der Weltenbaum und der Tyrann aus der Tiefe. Letzterer Titel zeigte schon, dass Spiele dieser Art auch gut aussehen können und mehr zu bieten haben, als sich nur durch tausende Feinde zu kämpfen. Mit Dragon Quest Heroes II erschien jetzt der Nachfolger, der inhaltlich nichts mit dem ersten Teil zu tun hat, aber wieder auf das bekannte Hack'n'Slay-Prinzip setzt.



Wechselt die Berufung
Doch keine Angst, in Dragon Quest Heroes II zeigt Omega Force, der Entwickler, dass sie viel mehr auf dem Kasten haben, als es die Spiele der Warriors-Serie vermuten lassen. So besteht Dragon Quest Heroes II zwar immer noch daraus, dass ihr hier und da Monstermassen besiegen sollt, doch auch andere Genres werden nicht vernachlässigt. So rücken zum Beispiel Rollenspieltechniken immer mehr in den Vordergrund. Ihr dürft eure Charaktere durch Skills verbessern und sammelt dazu Talentpunkte. Im Vorgänger gab es dieses System zwar auch schon, es wurde jedoch ein wenig verfeinert.

Jetzt besteht etwa die Möglichkeit, dass ihr die Klasse, im Spiel Berufung genannt, eures Charakters ändert. Es spielt daher keine Rolle, ob ihr auf die Klasse, die ihr zu Beginn gewählt habt, keine Lust mehr habt oder einfach zwischendurch einmal etwas anderes ausprobieren wollt. Ein NPC lässt euch jederzeit eure Berufung ändern, wobei im Spielverlauf weitere hinzukommen. Zu beachten ist, dass ihr bei den Fertigkeiten dann wieder bei Null beginnt, da jede Berufung eigene Fertigkeiten besitzt. Die ersten Level sind im späteren Spielverlauf jedoch so schnell nachgeholt, dass ihr nicht lange braucht, um die ersten Fertigkeiten zu erlernen.

Alle Fertigkeiten, die ihr in einer anderen Berufung erlernt habt, könnt ihr dann zwar nicht einsetzen, sie gehen jedoch nicht verloren. Wechselt ihr daher später wieder in eine bereits erlernte Berufung zurück, beginnt ihr nicht mehr bei Null, sondern dort, wo ihr vor einem Wechsel aufgehört habt. Das gibt euch im Spiel recht freie Hand und kettet euch nicht an ein starres Klassensystem. Alleine seid ihr sowieso nie unterwegs. Von Beginn an begleitet euch entweder eure Cousine oder euer Cousin, je nachdem, wen der beiden ihr selbst spielt.

Doch worum geht es eigentlich in der Geschichte des Spiels? Vor tausend Jahren herrschte ein erbitterter Krieg. Am Ende wurde das Land in sieben Königreiche aufgeteilt, die ewigen Frieden beschlossen. Als jedoch plötzlich die Stadt Harba von dunisischen Truppen angegriffen wird, steht ihr zwischen den Fronten. Da ihr zwar Dunisier seid, jedoch an der Militärakademie von Harba lernt, helft ihr der Stadt bei der Verteidigung. Warum der so lange währende Friede einfach gebrochen wurde, ob auch die anderen Königreiche involviert werden und auf welche Seite ihr euch schlagt, erfahrt ihr in den kommenden knapp 25 Spielstunden, die euch Dragon Quest Heroes II bietet.



Konkordia, das Zentrum der Welt
Deutlich mehr werden es, wenn ihr euch nicht nur auf die Hauptgeschichte konzentriert, sondern auch die vielen Nebenmissionen in Angriff nehmt. Im Gegensatz zum Vorgänger bekommt ihr diese nicht alle am Missionsschalter, sondern müsst hin und wieder mit Personen reden, die ihr meist in der Stadt Konkordia trefft. Konkordia wird sehr schnell zu eurer Basis, denn die Stadt liegt im Zentrum der Spielwelt. Von ihr aus gelangt ihr in alle Gebiete, die ihr im Laufe des Spiels bereist. Jedoch nicht von Beginn an, ihr müsst bestimmte Abschnitte der Geschichte passieren, um weitere Gebiete freizuschalten.

Eine echte offene Spielwelt gibt es daher in Dragon Quest Heroes II nicht, da euch viele Bereiche erst einmal nicht zur Verfügung stehen. Das hat jedoch den Vorteil, dass ihr nicht in Gebiete lauft, in denen ihr auf viel zu starke Gegner trefft. Die Kämpfe gegen hunderte Monster stehen auch diesmal im Mittelpunkt. Ihr tretet mit maximal vier Personen die Reise durch die abwechslungsreichen Orte an. In Konkordia legt ihr fest, wer euch begleitet. Im Spielverlauf schließen sich weitere Mitstreiter eurer Gruppe an, so dass die Auswahl mit der Zeit recht groß wird.

Eure Mitstreiter werden von der KI gesteuert, ihr könnt durch einfachen Tastendruck allerdings zwischen allen Gruppenmitgliedern hin- und herschalten, um ihre Steuerung und beispielsweise den Einsatz von Spezialattacken selbst zu übernehmen. Ihr besitzt grundsätzlich zwei Angriffe, einen leichten und einen schweren. Weiterhin könnt ihr ausweichen und, sollte euer Energiebalken aufgeladen sein, einen ultimativen Angriff starten. Dieser ist für wenige Sekunden aktiv, in denen ihr keinen Schaden nehmt. Beendet wird der Angriff je nach Charakter mit einer besonderen Fähigkeit, die nicht selten alle Feinde vor euch attackiert.

Besiegt ihr ein Monster, kann es mehrere Dinge fallenlassen. Zum einen Gold, was ihr fast immer bekommt. Hin und wieder bekommt ihr auch Gegenstände, die ihr in Konkordia am Alchemiekessel einsetzen könnt, um Accessoires zu verbessern. Mit ein wenig Glück erhaltet ihr zudem eine Monstermedaille, die in euren Monstermedaillenbehälter wandert. Sein Fassungsvermögen reicht nur für einige wenige Medaillen aus, kann aber durch das Absolvieren von Missionen erweitert werden. Monster, deren Medaillen im Behälter liegen, können von euch zur Hilfe herbeigerufen werden.



Die Sache mit den Monstermedaillen
Es gibt drei unterschiedliche Arten von Monstermedaillen: Wachposten, Hilfeleister und Modellmonster. Während Wachposten so lange an eurer Seite kämpfen, bis sie besiegt werden, verschwinden Hilfeleister nach sehr kurzer Zeit wieder. Zuvor heilen sie euch, schützen euch mit Schilden oder greifen kurzzeitig Feinde mit Zaubern an. Modellmonster sind spezieller, denn aktiviert ihr eine solche Medaille, werdet ihr selbst zu dem entsprechenden Monster. Dann stapft oder fliegt ihr für wenige Sekunden als Monster durch die Gegend und könnt mit dessen Fertigkeiten eure Feinde attackieren.

In Konkordia dürft ihr neben den genannten Dingen auch eure Ausrüstung verbessern. Beim Waffenschmied rüstet ihr euch gegen Gold mit neuen Waffen aus und der Kugelhändler verkauft euch Gegenstände, die euren Rüstwert aufwerten. Rüstungen, wie ihr sie aus anderen Spielen kennt, gibt es in Dragon Quest Heroes II nicht, hier sind es sogenannte Kugeln, die eure Verteidigung erhöhen. Auch müsst ihr das Spiel nicht alleine spielen, denn an bestimmten Stellen im Spiel könnt ihr andere Spieler zur Hilfe herbeirufen. Auch dürft ihr selbst anderen Spielern dabei helfen, in der Geschichte voranzuschreiten. Weiterhin steht ein Arenasystem zur Wahl, in dem ihr u.a. gemeinsam Wellen von Monstern besiegt. Einen echten Koop-Modus gibt es allerdings nicht.

Technisch ist Dragon Quest Heroes II eine sehr runde Sache. Die Grafik ist mehr als gelungen, sieht man einmal von den teils etwas tristen Orten ab, durch die euch eure Wege führen. Dafür bekommt ihr butterweiche Animationen zu Gesicht, was sowohl für die Charaktere als auch für die etwa 200 Monstertypen gilt. Für wahre Effektfeuerwerke sorgen die ultimativen Angriffe, die euren Bildschirm in ein buntes Farbenmeer tauchen. Dragon-Quest-Kenner dürfen sich über die vielen bekannten Musikstücke freuen. Die Steuerung ist simpel und geht schon nach wenigen Sekunden in Fleisch und Blut über.



Fazit:
Fans von japanischen Spielen können sich dieses Jahr wirklich nicht beschweren. Nach Nioh, NieR: Automata, Resident Evil 7 oder Persona 5 folgt mit Dragon Quest Heroes II ein weiterer Knüller, der sehr kurzweilige Unterhaltung bietet. Obwohl das Kämpfen gegen hunderte Monster noch immer im Mittelpunkt steht, hat Entwickler Omega Force die kleinen Rollenspiel- und Action-Adventure-Elemente im Vergleich zum Vorgänger noch weiter ausgebaut. Gerade diese vielen Kleinigkeiten sind es, die aus Dragon Quest Heroes II viel mehr machen, als „nur“ ein weiteres Prügelspiel.

Sehr gut gefielen mir die schönen Monster- und Charaktermodelle und die Möglichkeit, jederzeit die Berufung zu wechseln. Auch das recht freie Zusammenstellen des Teams sprach mich an, da ihr so immer die passenden Charaktere mitnehmen könnt und nicht an feste Gruppen gebunden seid. Wenn ihr Spiele mögt, in denen ihr euch mit einem einfachen Kampfsystem durch Monstermassen schnetzelt, jedoch nebenbei viel zu tun habt, seid ihr in Dragon Quest Heroes II mehr als gut aufgehoben. Von mir gibt es für den Titel eine klare Kaufempfehlung.

 

Pro:

+ einfache Steuerung

+ Berufung kann jederzeit gewechselt werden

+ Team darf frei zusammengestellt werden

+ deutsche Bildschirmtexte

+ läuft auf der PS4 durchweg mit 60 FPS

+ jede Menge Gegenstände, um Charaktere zu verbessern

Contra:

- kein echter Koop-Modus

- teilweise etwas langweilige Umgebungen

 

 


Getestet auf: PS4

 

Media

  • Releasedatum: Freitag, 28 April 2017
  • Genre: Action-RPG
  • Altersfreigabe: ab 12 Jahren
  • Plattform(en): PS4, PC, Switch
  • Sprache(n): deutsche Bildschirmtexte, englische Sprachausgabe
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