Sherlock Holmes: The Devil's Daughter

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Es ist Zeit, eure detektivischen Fähigkeiten wieder einmal unter Beweis zu stellen. Der berühmte Detektiv Sherlock Holmes tritt nämlich in seinem bereits achten Spiel an, um verschiedene Kriminalfälle zu lösen. Und als ob das nicht schon genug Arbeit mit sich bringen würde, hat er in diesem Teil auch noch seine Adoptivtochter Katelyn zu Besuch und eine neue Nachbarin birgt dunkle Geheimnisse. Gut, dass Holmes neben seinem treuen Gefährten Watson auch euch an seiner Seite hat, um die verschiedenen Fälle zu lösen.

 

Leben und Morden in London
Dreh- und Angelpunkt von Sherlock Holmes: The Devil's Daughter ist auch diesmal wieder das viktorianisch angesiedelte London, genauer gesagt die Baker Street. Von hier aus unternimmt Sherlock Holmes seine Reisen an die verschiedenen Schauplätze der einzelnen Episoden. Dabei wird er oftmals von seinem Assistenten Watson begleitet, einmal ist sogar der aus anderen Teilen bereits bekannte Beagle Toby wieder mit dabei, den ihr kurzzeitig steuern müsst. Ebenso übernehmt ihr die Rolle des Straßenjungen Wiggins, um Hinweise zu sammeln.

Eure Ermittlungen führen euch dabei sowohl an bekannte Schauplätze wie etwa den Stadtteil Whitechapel als auch an unbekannte Orte, z.B. ein ausgedehntes Sumpfgebiet oder einen alten Friedhof. Sogar einen Maya-Tempel dürft bzw. müsst ihr in einer der Episoden erkunden und der hat es wirklich in sich, denn er strotzt nur so von Fallen und Rätseln, die ihr oft nur im Trial&Error-Prinzip meistern könnt. Hilfreich an allen Orten sind Holmes' detektivischer Spürsinn und sein Visualisierungstalent. Sobald ihr eines dieser Talente einsetzen könnt, werdet ihr extra darauf aufmerksam gemacht.

Die einzelnen Fälle sind abwechslungsreich und auch spannend, sie hängen zwar thematisch nicht zusammen, werden aber durch die Rahmengeschichte rund um des Teufels Tochter zu einem Großen und Ganzen verbunden. Ihr kümmert euch beispielsweise um verschwundene Londoner Bürger, klärt einen Banküberfall auf oder versucht, einen Kutschenunfall zu rekonstruieren. Nebenbei müsst ihr euch um das Wohlbefinden von Katelyn kümmern, die nicht gerade in einem einfachen Alter ist und so manche Entscheidung trifft, die Holmes so gar nicht gefällt.

 

Gab es eine Verjüngungskur?

 

Ermitteln im frischen Look
An den einzelnen Schauplätzen von Sherlock Holmes: The Devil's Daughter geht es natürlich wieder darum, Beweise zu sammeln oder Verdächtige zu verhören. Dadurch stellt ihr verschiedene Thesen auf, die dann im Deduktionsmenü munter miteinander kombiniert werden können. Je nachdem, wie ihr die Thesen miteinander verbindet, erhaltet ihr einen anderen Verdächtigen und ihr sollt dann entscheiden, welcher dieser Verdächtigen letztendlich der Schuldige ist. Zudem werdet ihr noch vor die Entscheidung gestellt, welches Urteil vollstreckt werden soll.

Habt ihr eure abschließende Entscheidung getroffen, könnt ihr euer Ergebnis nachprüfen, um zu erfahren, ob ihr richtig gelegen habt. War eure Entscheidung falsch, ist das kein Problem, denn ihr könnt sie dann revidieren und euch anders entscheiden, indem ihr im Deduktionsmenü eure Kombinationen verändert. Das gilt aber nur für den normalen Schwierigkeitsgrad, im Meisterdetektiv-Modus ist eure gefällte Entscheidung absolut bindend. In diesem Modus arbeitet ihr auch sehr oft unter massivem Zeitdruck, wenn ihr einzelne Schauplätze untersucht.

Der frische Look trifft sowohl auf Holmes und Watson selber zu als auch auf die Umgebungen. Beim Meisterdetektiv wird euch auffallen, dass er markanter wirkt als noch im Vorgänger, allerdings scheint sein Rasierapparat den Geist aufgegeben zu haben. Den Dreitagebart werdet ihr nicht los, auch wenn ihr euch noch so gut verkleidet. Es stehen verschiedene Verkleidungen zur Auswahl, vom Arzt bis hin zum Priester. Auch an verschiedene Frisuren, Bärte und Hüte wurde dabei gedacht. Insgesamt ist der neue Look von Holmes gelungen.

Watson scheint in einen Kessel mit verjüngenden Mitteln gefallen zu sein. Er sieht deutlich jünger aus als im Vorgänger und statt Schnauzbart ziert nun ein stattlicher Backenbart sein Gesicht. Gut, man könnte zur Verteidigung sagen, dass diese Bartmode im viktorianischen London modern ist, es erklärt aber trotzdem nicht, wieso er so jung und frisch wirkt. Im ersten Moment fragt man sich daher, ob es sich bei dem jungen Mann wirklich um Watson handelt. Wiggins und Toby sehen hingegen so aus, wie man sie schon aus Sherlock Holmes: Crimes & Punishments kennt und auch die anderen Charaktere wurden ordentlich gestaltet.

 

Wie kam es zum Kutschenunfall?

 

Licht und Schatten bei der Detektivarbeit
Bei Sherlock Holmes: The Devil's Daughter kommt erstmals eine neue Technik zum Einsatz, nämlich das „Physically Based Rendering“. Dies ermöglicht eine realistische Darstellung von Licht und Texturen, was man an den einzelnen Schauplätzen auch durchaus zu sehen bekommt. Egal ob im Sumpf, auf dem Friedhof oder in einer zwielichtigen Kaschemme, die Atmosphäre stimmt immer. Hier hat Frogwares gute Arbeit geleistet.

Im krassen Gegensatz dazu stehen die Animationen der einzelnen Charaktere, die stets hölzern und teilweise abgehackt wirken. Besonders fiel das in einem Abschnitt auf, in dem Holmes über mehrere Leitern in einer Kanalisation steigen musste. Scheinbar hat man sich die Bewegungsabläufe von einem Roboter abgeschaut und dazu von einem recht alten. Auch an anderen Stellen fiel auf, dass sich die Protagonisten so bewegten, als hätten sie einen Stock im Allerwertesten. Da macht das Erkunden der einzelnen Schauplätze nur bedingt Spaß.

Wenn ihr Sherlock Holmes: The Devil's Daughter spielt, solltet ihr auf jeden Fall Geduld haben. Nicht nur, dass manche der Minispiele und Action-Einlagen recht nervig sind und teilweise sogar zu kleineren Frustmomenten führen können, die Ladezeiten sind auch nicht gerade spielerfreundlich. Es ist ja schön, dass man sich statt der normalen Lade-Ansicht eine Kutschen-Ansicht einstellen kann, aber minutenlang dem sitzenden Holmes zuzuschauen, wie er ein Buch liest, ist auch nicht gerade erbauend.

Falls ihr euch jetzt noch fragt, ob es einen Unterschied zwischen den zwei verfügbaren Spielmodi gibt: Nein, keinen gravierenden. Zwar habt ihr im Meisterdetektivmodus ein anspruchsvolleres Gameplay, es gibt aber ansonsten keinen besonderen Anreiz, Sherlock Holmes: The Devil's Daughter in diesem Modus zu spielen. Die Story und die Episoden sind die gleichen wie im normalen Modus und es gibt auch keine Trophäen dafür, dass ihr euch als Meisterdetektiv durchschlagt.

 

 

Erkundung im viktorianischen London

Fazit:
Auch der achte Teil der Spieleserie kann storytechnisch wieder überzeugen. Sherlock Holmes: The Devil's Daughter bietet spannende Episoden mit einer mysteriösen Rahmenhandlung, die dazu anregen, sich als Detektiv in und um London zu betätigen. Die einzelnen Schauplätze können optisch ebenso überzeugen wie die verschiedenen Charaktere. Dabei solltet ihr aber die roboterhaften Animationen gedanklich ausblenden. Diese passen so gar nicht zum modernen Look des Spiels und trüben das Ganze ein wenig.

Auch solltet ihr euch keine allzu großen Gedanken darüber machen, wie Holmes und Watson es geschafft haben, so jung und dynamisch auszusehen. Vielleicht waren sie ja während der immensen Ladezeiten auf einer Schönheitsfarm, wo sie gottseidank nicht wie ihr Minispiele und Action-Einlagen im Trial&Error-Prinzip lösen mussten. Solche Passagen trüben den Spielspaß enorm, weil sie auch nicht immer überspringbar sind.

Insgesamt erwartet euch mit Sherlock Holmes: The Devil's Daughter ein durchaus spannendes Adventure mit ein paar Prisen Thriller und Action, welches ihr getrost im normalen Modus durchspielen könnt,. Mögt ihr die Herausforderung und wählt deshalb den Meisterdetektiv-Modus, so wird dies zumindest nicht mit Trophäen belohnt. Bei Minispielen, Action-Einlagen und Animationen muss Frogwares allerdings nachsitzen, daran kann noch einiges verbessert werden!

 

Media

  • Releasedatum: Freitag, 27 Mai 2016
  • Preis: 54,99 €
  • Genre: Adventure
  • Altersfreigabe: USK: 12 / PEGI: 16
  • Plattform(en): PS4, PC, Xbox One
  • Sprache(n): Deutsch