Blur

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Wer sich ein wenig mit Spielen und deren Entwicklern auskennt, wird bei "Bizarre Creations" vermutlich die Glocken klingeln hören, ist doch das Entwicklerstudio kein Frischling auf dem Gebiet der Rennspiele. "Project Gotham Racing 4" war der letzte Titel, den man noch als Microsoft-Studio nur für die Xbox 360 entwickelte. Mit Blur kommt nun der erste Titel des Studios auf den Markt, der für mehrere Plattformen entwickelt wurde. Wir haben uns die PS3-Version vorgenommen und schauen nun einmal, ob das berühmte "Mario Kart für Erwachsene" auf die Spieler wartet, oder eher eine Rostlaube unter der aufgeblähten Optik versteckt wurde...

Dem Vergleich zu "Mario Kart" muß sich Blur unterziehen, da selbst die Werbestrategen von Activision diesen Vergleich angeheizt haben. Im TV-Werbespot nämlich ist ein Grüppchen comichafter Charaktere zu sehen, die in ihren einfachen Karts an der Startlinie stehen und ein Rennen fahren wollen. Nachdem die Ampel auf Grün schaltete, zuckelten die Karts los, bis auf ein einziges. Einer der Comic-Charaktere steigt aus, weil er einen Blitz von der Seite gesehen hat. Hinter einem Zaun sieht er die Rennen, wie sie in Blur stattfinden und ist davon hellauf begeistert.
Wie man sieht, ist nicht die Presse daran Schuld, dass die Betitelung "Mario Kart für Erwachsene" beim Thema Blur dauernd auftaucht. Aber nimmt man die Spiele von ihren Grundfunktionen her, ist Blur wirklich nichts, als eben ein "Mario Kart für Erwachsene".

Offline oder Online?
Ein sehr großer Vorteil von Blur macht sich schon zu Beginn bemerkbar. Das Spiel unterscheidet strikt zwischen eben diesen beiden Spielmodi, das bedeutet, dass man nicht erst den Offlinemodus durchspielen muß, bevor man im Onlinemodus alle Fahrzeuge nutzen darf, bis auf einige wenige, die jedoch keine wirklichen Vorteile bieten, aber dazu später mehr.
Kommen wir also erst einmal zum Offlinemodus. Wer "Project Gotham Racing" kennt, der weiß, dass man sich dort "Kudos" erspielen mußte. Diese bekam man z.B. für gute Drifts, Überholmanöver usw.
Auch in Blur hat Bizarre Creations eine Art "Währung" eingebaut, nämlich die "Lichter". Diese Lichter bekommt man, wenn man am Ende eines Rennens auf Platz 1, 2 oder 3 ankommt, genügend Fans bekommen hat, oder die Fan-Anfrage meistern konnte. Letztere aktiviert man, indem man während eines Rennens durch ein bestimmtes Symbol fährt, welches immer recht offensichtlich auf den Strecken untergebracht wurde. Fährt man durch dieses Symbol, erscheinen virtuelle Tore, durch die man der Reihe nach in einer bestimmten Zeit fahren muß. Dies ist nicht immer ganz einfach, denn für manche Tore muß man teilweise sehr stark einlenken. Verpasst man ein Tor, gilt die Anfrage als gescheitert, jedoch kann man diese in der nächsten Runde erneut versuchen.

Für alle Aktionen bei einem Rennen bekommt man neue Fans. Für gute Drifts, weite Sprünge, das Abschiessen eines Gegners mit einem PowerUp usw. versammeln sich neue Fans um den Spieler. Diese Fans sind am Ende wichtig, denn durch das Sammeln von neuen Fans steigt man im Spielerlevel. Gleichzeitig bedeutet dies, dass man neue Fahrzeuge freischaltet usw.
Die erwähnten Lichter hingegen sind wichtig, um im Singleplayer neue Rennen bzw. Events freizuschalten. Ein Event besteht hierbei aus mehreren Rennen, wobei sich diese unterscheiden. Zum einen gibt es die normalen PowerUp-Rennen, dann Zerstörungsrennen und Zeitrennen. Bei den Zeitrennen fährt man gegen die Uhr, die gnadenlos runtertickt. Hier gilt es, rechtzeitig am nächsten Checkpoint anzukommen, um die Zeit aufzufrischen. Zusätzlich kann man während eines Zeitrennens Uhrsymbole einsammeln, die die vorhandene Zeit ein wenig aufstocken. Weiterhin findet man Nitro-PowerUps auf der Strecke, die für einen kurzen Geschwindigkeitsboost sorgen. Auch bei diesen Events gilt es, möglichst den ersten Platz zu erreichen, die hierfür nötige Zeit wird vorher bekannt gegeben. Auch wieder das Licht für die Fan-Anfrage und die Fans insgesamt gilt es zu holen.

Virtuelle und echte Gegner
In den Zerstörungsevents sammelt man Punkte, indem man andere Fahrzeuge abschießt. Hier heisst es, neben den beiden Fanlichtern genügend Punkte zu sammeln, um einen der vorderen drei Plätze zu erreichen. Hat man genügend Lichter erspielt, schaltet man das nächste Event frei. Bei jedem Event gibt es einen Hauptkontrahenten, dem man in einem bestimmten Rennen sein Auto abnehmen darf. Dieses Rennen spielt man frei, indem man diverse Bedingungen erfüllt, die der jeweilige Kontrahent stellt. Mal muß man in einem bestimmten Rennen die Fan-Anfrage erfüllen, mal muß man 10 Autos durch bestimmte PowerUps ausschalten usw. Jeweils vier Bedingungen gilt es zu erfüllen, will man gegen den Kontrahenten antreten.
Gewinnt man nun gegen ihn (bzw. sie), bekommt man als Belohnung sein (ihr) Auto. Dieses darf man von nun an auch im Multiplayermodus benutzen, wenn man dort das nötige Level erreicht hat. Die Wagen bringen jedoch keine wirklichen Vorteile gegenüber den normalen Fahrzeugen, sie haben eine schöne Lackierung und bringen z.B. einen kleinen Fanbonus. Von der Leistung her sind sie jedoch gegenüber den Standardfahrzeugen vollkommen gleich.

 

Der Singleplayer-Modus bietet die Möglichkeit, sich mit dem Spiel anzufreunden und auszutesten, mehr jedoch nicht. Zwar sind drei Schwierigkeitsstufen vorhanden, richtig Spaß aber macht Blur erst im Multiplayer. Hier sind nicht von Anfang an alle Spielvarianten zugänglich, diese muß man erst im Multiplayer freispielen. Das macht man, indem man im Level steigt. Im Level steigt man, wie schon im Singleplayer, durch neue Fans, die man sich in Rennen gegen andere Spieler verdienen muß. Bis zu 20 Spieler können in den diversen Spielmodi in einem Rennen antreten, es kam beim Test nie zu Framerateeinbrüchen, das Spiel läuft grundsätzlich flüssig.
Die Spielmodi reichen vom PowerUp-Rennen über Hardcore-Rennen bis hin zur Welttournee. Neben den Spielmodi muß man sich auch erst seine Fahrzeuge verdienen. Steigt man im Level, werden neue Fahrzeuge und Mods freigeschaltet, die von da ab verwendet werden dürfen. Insgesamt 50 Level darf man steigen, allerdings ist dann noch lange nicht Schluß. Erreicht man nämlich Stufe 50, kann man in den Legendenmodus wechseln. In diesem fängt man wieder bei Stufe 1 an, alle freigeschalteten Dinge sind wieder gesperrt, als Dank dafür bekommt man jedoch ein spezielles Legendenfahrzeug, welches von nun an eingesetzt werden darf. Da es insgesamt derzeit 10 Legendenstufen gibt, gilt es also, rechnet man alles zusammen, 550 Level zu absolvieren, bevor man das Spiel - wenn man das so nennen mag - durchgespielt hätte.

Der am häufigsten genutzte Online-Spielmodi in Blur sind die PowerUp-Rennen, in denen maximal 20 Leute antreten dürfen. In diesen Rennen sind PowerUps auf der Strecke verteilt, die man einsammeln darf (gleiches gilt übrigens auch für den Singleplayer, wie auch für einige andere Multiplayer-Varianten). Maximal drei PowerUps darf man gleichzeitig besitzen, wobei es hier acht verschiedene gibt. Die meisten davon sind dazu gedacht, die gegnerischen Fahrer anzugreifen, um sich selbst eine bessere Position zu verschaffen. Mit dem Stoß-PowerUp z.B. bekommt man eine Art zielsuchende Rakete, die man auf die Fahrer vor oder hinter sich losschicken kann. Durch das Nitro-PowerUp bekommt man einen Geschwindigkeitsboost, kann aber auch während des Boosts andere Fahrzeuge rammen und diesen damit Schaden zufügen. Mit dem Blitz-PowerUp darf man dreimal (im Singleplayer viermal) auf Gegner vor oder hinter sich schießen usw. Natürlich gibt es auch ein Schild- und ein Reparatur-PowerUp, mit dem man sich schützen bzw. das eigene Fahrzeug reparieren kann. Reparieren deswegen, weil sich Schäden, die man nimmt, auf den Zustand des Fahrzeugs auswirken. Jedes Fahrzeug hat eine Energieanzeige. Ist diese leer, eplodiert man und verliert wertvolle Sekunden, bevor man mit einem frischen Fahrzeug auf die Strecke zurückgesetzt wird.
Durch die PowerUps ist quasi jedes Rennen anders als das vorige, auch wenn man eventuell auf der selben Strecke fährt. Selbst wenn man lange Zeit auf Platz 1 liegt, heisst das am Ende noch lange nicht, dass man ein Rennen auch gewinnen wird. Bekommt man nämlich kurz vor Ende einen Treffer nach dem anderen ab, werden einen die anderen Fahrer eventuell noch überholen. Das heißt im Gegenzug aber auch, dass man noch lange nicht aufgeben muß, wenn man in der letzten Runde noch auf Platz 20 liegt. In Blur ist ein Rennen immer erst dann entschieden, wenn das Rennen beendet ist, nie vorher.

Wer weniger auf solche Chaosrennen steht (wobei diese Unmengen an Spaß bereiten), der kann z.B. im Hardcore-Rennen antreten. Hier gibt es keine PowerUps, es zählt nur das fahrerische Können. Allerdings sollte man hierbei immer im Kopf behalten, dass es sich bei Blur um einen Funracer handelt. Und bei diesen gilt: Wer bremst, verliert! So kann man in Kurven ruhig einmal in die Streckenbegrenzung krachen, dies ist teilweise besser, als langsam um eine Kurve zu fahren.
Viele andere Spielvarianten runden den Multiplayer gelungen ab, wobei es natürlich jede Menge Ranglisten gibt, in denen man sich verewigen kann.
Kurz nach dem Release des Titels hatte Blur noch mit Freezes der Konsole zu kämpfen, welche wohl auf einen serverseitigen Fehler zurückzuführen waren. Durch einen Patch wurden diese jedoch behoben und seitdem hatten wir keine Probleme mehr, online zu spielen.

Viele viele bunte Autos...
Die gibt es in Blur wirklich. Über 50 lizensierte Fahrzeuge haben den Sprung ins Spiel geschafft, die zudem noch in vier Klassen unterteilt sind. Dies hat den Vorteil, dass man nicht mit einem langsamen Fahrzeug gegen ein viel zu schnelles antreten muß, da pro Rennen immer nur die Fahrzeuge aus einer Klasse zugelassen sind. Die Fahrzeuge kann man zudem mit Mods aufwerten, die man bis auf einige natürlich erst freispielen muß. So gibt es Mods, die das Auto haltbarer machen, mehr Fans bringen, das Schild länger aufrecht halten usw.
Der geschickte Einsatz von Mods kann ein Rennen entscheiden, jedoch sind diese trotzdem nicht überzubewerten, man kann auch ohne Mods gute Platzierungen "erfahren".
Auch die Farbe kann bei den meisten Fahrzeugen verändert werden, hier gibt es viele Paletten, aus denen man eine beliebige auswählen kann. Nur sehr wenigen Fahrzeuge dürfen nicht umgefärbt werden, z.B. die Legendenautos.
Weiterhin sind die Fahrzeuge neben den Klassen noch in diverse Eigenschaften aufgeteilt. Es gibt hier einige, die stark driften, andere sind dafür eher für Offroad-Strecken geeignet. Man wird nach einigen Rennen sicher die rausfinden, mit denen man persönlich je nach Strecke am besten klar kommt.

Optisch kommt Blur zwar nicht ganz an "Split/Second: Velocity" ran, die Präsentation ist trotzdem sehr ordentlich. Der Neonlook der Umgebung passt sehr gut ins actionreiche Spielerlebnis und auch der eher triste Umgebungslook wirkt nicht störend. Zum Bewundern der Umgebung fehlt in Blur sowieso die Zeit, da man Dauer-Action ausgesetzt ist.
Die Fahrzeuge hingegen sind sehr gut gestaltet und auch die Effekte der PowerUps können sich sehen lassen.
Der Sound ist gut und der Soundtrack hämmernd, er wartet dafür mit einigen sehr guten Tracks auf.
Die Steuerung ist sehr simpel und man hat diese nach wenigen Minuten verinnerlicht.
Ein kleines Highlight von Blur ist die Anbindung an die Social-Networks Twitter und Facebook. Hier kann man quasi alle Erfolge und geleisteten Dinge mit anderen teilen und darf sogar Freunde so zum Rennen rausfordern.

Fazit:
Blur hat bei mir diesen berühmten Effekt erzeugt "Ach, nur noch eine Strecke online fahren" - und das sage ich mir dann nach einigen Stunden immer noch. Das Spiel fesselt online durch die chaotischen Rennen, wo jeder Positionskampf Spaß macht. Egal ob man sich um Platz 1 streitet, oder aber um Platz 19, im Multiplayer fährt Blur alle seine Stärken auf. Der Singleplayer ist eine nette Beigabe, jedoch nicht mehr.
Die Präsentation bietet nichts wirklich neues, passt jedoch zum Spielgeschehen. Ich kann Blur auf jeden Fall wärmstens empfehlen, dieses "Mario Kart für Erwachsene" ist sein Geld wert!

  • Releasedatum: Donnerstag, 27 Mai 2010
  • Preis: 43,95 €
  • Genre: Rennspiel
  • Altersfreigabe: USK: 12
  • Plattform(en): PS3
  • Sprache(n): Deutsch