Die Säulen der Erde

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Manch einem ist der Name Ken Follett vielleicht ein Begriff. Von ihm stammt der Roman Die Säulen der Erde, welcher als Vorlage für das gleichnamige Spiel von Daedalic Entertainment diente. Dabei wurde die Romanvorlage in verschiedene Bücher unterteilt, die nach und nach veröffentlicht werden, ähnlich wie die einzelnen Episoden bei z.B. Telltale-Spielen. Und genau wie in eben diesen Spielen sollen eure Entscheidungen auch bei Die Säulen der Erde den Verlauf der Geschichte beeinflussen.

Die ersten Schritte
Nachdem ihr das erste Buch gestartet habt, wird euch angeboten, ein Tutorial zu absolvieren. Dort werden euch die verschiedenen Steuerungsoptionen näher gebracht, ihr erfahrt, wie ihr Dinge untersucht, Gegenstände auswählt und einsetzt, mit Personen sprecht und Entscheidungen fällt. Dies alles ist schnell erlernt und leicht zu merken, so dass ihr von dieser Seite her keine Probleme haben werdet ins Spiel zu finden. Nach dem Tutorial beginnt dann die eigentliche Geschichte.


Jedes Buch ist in verschiedene Kapitel aufgeteilt, die den einzelnen Protagonisten von Die Säulen der Erde gewidmet sind. Ihr lernt Familie Builder kennen, begegnet einem Mönch und einem kleinen Jungen mit seiner Mutter. Zu Beginn sind ihre Handlungsstränge noch getrennt, aber schon nach kurzer Zeit laufen sie zusammen. Natürlich gibt es noch eine Vielzahl von Figuren, die eine kleinere oder größere Rolle spielen und maßgeblich an der Entwicklung der Geschichte beteiligt sind.

review3 Philip und William Hamleigh beim Palast des Bischofs

Ein interaktiver Roman oder mehr?
Schon zu Beginn merkt ihr, dass Die Säulen der Erde sehr auf Dialoge baut, sowie auf die Gedanken der einzelnen Protagonisten. Der Mönch hat beispielsweise immer seine Bibel dabei und hat fast zu allem einen klugen Bibelspruch auf Lager. Tom Builder dagegen muss sich mit seiner Familie auseinandersetzen und auch der kleine Junge aus dem Wald hat seine ganz eigenen Probleme zu bewältigen. Bereits nach recht kurzer Zeit kreuzen sich die Handlungsstränge der einzelnen Charaktere und es entstehen interessante Verwicklungen.


Dabei werdet ihr mit einer Vielzahl von Fakten und Orten aus der Geschichte Englands konfrontiert, genauer gesagt mit der Geschichte des 12. Jahrhunderts und es kann anfangs zu einer leichten Übersättigung an Informationen kommen. Zumal recht zeitig schwere Entscheidungen und Handlungen von euch gefordert werden, sei es nun eine Geburtshilfe mitten im Wald oder ein störrischer und uneinsichtiger Prior (Klostervorstand). Dabei sind manche der Entscheidungen oder Handlungen zeitlich begrenzt.

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Was genau ist zu tun?
Ihr steuert die einzelnen Charaktere durch die jeweiligen Umgebungen und untersucht alles, was ihr finden könnt. Ebenso solltet ihr mit allen Personen sprechen, die ihr trefft, denn oft erhaltet ihr dadurch bestimmte Informationen oder Hinweise, die euch in der Geschichte weiterbringen. Dabei lassen sich viele der Hinweise im Inventar ausrüsten, damit ihr gezielt andere Charaktere darauf ansprechen könnt – am Anfang ist dies noch etwas gewöhnungsbedürftig.


Ebenso ist es euch durch die vielen Gespräche möglich, einzelnen Personen etwas Gutes zu tun, ob nun Samen für einen zukünftigen Garten zu organisieren oder verlorengegangene (oder gestohlene?) Schlüssel wieder zu finden. In den einzelnen Dialogen stehen euch verschiedene Antwortmöglichkeiten zur Auswahl, aus denen ihr wählen könnt. Bereits abgehandelte Dinge werden grau dargestellt. Die Steuerung mit dem Controller ist dabei gelungen.

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Alles rund um die Technik
Wie bereits erwähnt setzt Die Säulen der Erde sehr auf die vielen Dialoge. Diese sind auch gelungen, allerdings wünscht man sich recht schnell, dass sie flüssiger ablaufen. Die Charaktere machen sehr oft unnötig lange Pausen, wodurch die Gespräche etwas ins Stocken geraten. Und auch die Mimik, insbesondere die Lippensynchronität lässt zu wünschen übrig. Insgesamt wirken die Animationen der einzelnen Charaktere ziemlich steif, was eigentlich untypisch für ein Daedalic-Spiel ist, denkt man da z.B. an Silence zurück.


Ansonsten kann sich das Spiel durchaus sehen lassen. Alle Hintergründe wurden handgezeichnet und es wurde einiges an Recherche betrieben, um auch wirklich das England des 12. Jahrhunderts darzustellen. Dabei wirken die einzelnen Schauplätze wie kunstvoll gemalte Aquarelle und haben dadurch einen großen Charme. Dabei erwarten euch oft eher dunklere und triste Umgebungen, die aber sehr gut die Stimmung zu dieser Zeit repräsentieren, die durch die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse eher gedrückt war.

Musikalisch muss sich Die Säulen der Erde auf keinen Fall verstecken, die Musik ist stimmig und passt zu der allgemein herrschenden Atmosphäre des Spiels. Dabei wurde auch auf die Umgebungen geachtet, so werdet ihr im Kloster durchaus mit Chorgesängen und Orgelmusik „unterhalten“, während im Wald eher unauffällige und sehr ruhige Musik verwendet wurde. Die Dialoge und ausgesprochenen Gedanken der Protagonisten und Nebencharaktere sind alle gut zu verstehen.

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Fazit:
Es fällt mir in der Tat schwer, zu Die Säulen der Erde ein Fazit zu schreiben. Vielleicht liegt es daran, dass ich den als Vorlage dienenden gleichnamigen Roman nicht gelesen habe und von daher nicht weiß, wie nah das Spiel am Buch und ob die Umsetzung geglückt ist. Für mich ist es auf jeden Fall ein gelungenes Spiel, auch ohne Romankenntnisse. Die einzelnen Hauptfiguren sind interessant und die beginnende Verknüpfung der einzelnen Handlungstränge verspricht noch viel Spannung.


Die im Aquarellstil gehaltenen Hintergründe konnten mich überzeugen, auch wenn sie oft trist wirken. Zur damaligen Zeit sah England eben so aus, grell bunte Hintergründe wären fehl am Platz. Leider sind die Animationen der einzelnen Charaktere nicht so ganz gelungen, eine Mimik fehlt ihnen fast gänzlich und viele Bewegungen wirken etwas abgehackt. Dafür kann die Musik überzeugen und auch die Vertonung der Charaktere ist gelungen.

Alles in allem hat mich Die Säulen der Erde gut unterhalten, auch wenn es sehr dialog- und weniger rätsellastig ist. Die Länge der einzelnen Kapitel geht in Ordnung und auch das Gameplay kommt meiner Meinung nach nicht zu kurz. Ich freue mich jetzt schon auf Buch 2, das ja noch dieses Jahr erscheinen soll.
 

Pro:

- Interessante Charaktere und Handlungsstränge

- Gelungene deutsche Vertonung

- Wunderschöne Hintergründe im Aquarellstil

- Angenehme Hintergrundmusik

Contra:

- Animationen wirken oft hölzern und abgehackt

- Kaum Mimik und Lippensyxnchronität

- Rätsel sind sehr sehr rar gesät

Getestet auf: PS4

Media

  • Releasedatum: Dienstag, 15 August 2017
  • Genre: Adventure
  • Altersfreigabe: USK: 16
  • Plattform(en): PC, Mac, Linux, PlayStation 4, Xbox One
  • Sprache(n): Deutsch