Heavy Rain

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Quantic Dream, Entwickler von Heavy Rain, ist Spielern bisher durch den indirekten Vorgänger "Fahrenheit" bekannt. Schon damals setzte der Entwickler auf Quick-Time-Events, was nun bei Heavy Rain fortgesetzt wird.
Da es sich bei Heavy Rain nur indirekt um ein Spiel, vielmehr um einen interaktiven Film dreht, werde ich in diesem Review so weit wie möglich versuchen, nichts aus der eigentlichen Story zu spoilern, um geneigten Spielern keine entscheidenden Storymomente zu verraten...

Im Frühjahr 2006 begann Entwickler Quantic Dream mit den Arbeiten an Heavy Rain. Nur sehr spärlich wurden Informationen zum Spiel bekannt und auf der E3 2006 zeigte man ein erstes Video, in dem eine Frau für ein digitales Casting vorsprach. Schon damals konnte man sich davon überzeugen, wieviele Emotionen mit der verwendeten Engine ins Spiel gebracht werden können und wie echt die digitalen Schauspieler hierdurch wirken würden.

Danach wurde es ruhig und erst im folgenden Jahr überraschte der Entwickler mit einem vorläufigen Poster zum Spiel. Dieses zeigte eine klassische Origami-Figur: Einen Vogel, von dessen Flügelspitze Blut tropft. Diese Origamifigor, auch "Pajarita" genannt, darf der Spieler übrigens nachfalten, wenn er denn möchte. Während der etwa 4GB großen Installation, die das Spiel vornimmt, wird auf dem Bildschirm die Faltanleitung gezeigt, womit das Nachfalten des Vogels kein Problem sein sollte.

Hat man so die wenigen Minuten verbracht, die die Installation in Anspruch nimmt, darf man sich ins Spiel stürzen. Insgesamt vier Hauptdarsteller warten darauf, vom Spieler geleitet zu werden. Zum einen ist dort Ethan Mars, verheirateter Architekt mit zwei Söhnen. Madison Paige ist eine Journalistin, die von chronischer Schlaflosigkeit geplagt wird. Norman Jayden ist FBI-Profiler mit starkem Drogenproblem. Scott Shelby zu guter Letzt greift als pensonierter Polizist in der Rolle eines Privatdetektives ins Geschehen ein.

Zu Spielbeginn darf erst einmal die Schwierigkeit eingestellt werden. Hier gibt es drei Modi, die sich auf das spätere Spiel auswirken. Entscheidet man sich für den höchsten Schwierigkeitsgrad, wird man mit mehreren Fingerverknotungen während des Spielens rechnen dürfen...
Hat man sich also für die gewünschte Schwierigkeit entschieden, schlüpft man in die Rolle des Ethan Mars. Während man diesen "steuert", wird man in die Grundlagen des Spiels eingeführt. Es wird gut erklärt, wann mit dem Controller was zu erledigen ist, wann z.B. ein langsames Bewegen des rechten Sticks nötig ist oder wann man den Controller sogar schütteln muß. Ethan Mars lebt ein gutes Leben, hat Frau und zwei Kinder und Erfolg im Berufsleben als Architekt. Ein eigenes Haus, Garten und mehr zeugen davon, dass es sich hier ganz gut leben lässt und die Familie Mars ein recht sorgenfreies Leben hat.

Dieses soll sich jedoch schon bald ändern. Quasi am Ende des indirekten Tutorials gibt es einen Wendepunkt in Ethans Leben und die Story macht einen Sprung - 2 Jahre weiter. Und in diesen zwei Jahren hat sich für Ethan Mars alles verändert. Er lebt in einer schäbigen Wohnung, getrennt von Frau und Kind. Wieso Kind? Nun ja, einen der beiden Söhne hat Ethan durch einen Autounfall am Ende des Tutorials verloren, fiel darauf hin selbst in ein sechsmonatiges Koma und zerfressen von Depressionen und Trauer über den Verlust des einen Sohnes zog sich Ethan Mars von seiner Familie zurück.

Wer sich nun noch fragt, warum er bei der Installation einen Papiervogel falten sollte:
Nach der Vorgeschichte erfährt man vom "Origami-Killer", dessen Fall es zu lösen gilt. Und als hätte es Ethan mit dem Verlust eines seiner Söhne nicht schon schwer genug, gerät ausgerechnet sein anderer Sohn in die Fänge des Origami-Killers und ein fesselnder Fall wartet auf den Spieler.
Das Problem bei der Sache ist, dass alle bisherigen Opfer des Origami-Killers erst verschwunden und dann nach einigen Tagen tot aufgefunden wurden. Alle ertrunken in Regenwasser, alle erst kurz vor ihrem Auffinden, etwa 3-5 Tage nach ihrem Verschwinden verstorben. Dies sorgt für den Druck, dass der Fall schnell aufgeklärt werden muß, denn auch jetzt regnet es wieder. Und es regnet heftig, wie immer um diese Jahreszeit...

Wie zu Beginn erwähnt, greift man per Quick-Time-Events ins Geschehen ein. Während man abwechselnd in die vier Rollen der Hauptprotagonisten schlüpft, gilt es sich in teils sehr actionlastigen Sequenzen zu behaupten. Und im Gegensatz zu vielen anderen Adventures, in denen die Geschichte einem festen Verlauf folgt, ist dies in Heavy Rain ganz anders, denn hier können die Hauptfiguren sterben, was direkten Einfluß auf den weiteren Verlauf der Story nehmen wird. Das bedeutet aber auch, dass ein mehrfaches Spielen des Titels nur zu empfehlen ist, da man, je nach dem, wie man sich in einigen Situationen entscheidet, ein vollkommen anderes Spielerlebnis haben wird, als beispielsweise beim ersten Durchspielen des Titels.

Die Story ist sehr gut durchdacht und hat einen sehr hohen Spannungsbogen, den man sich von manchem Film wünschen würde. Ein düsterer Thriller mit Elementen, die man z.B. aus Saw kennt, erwarten den Spieler, die verregnete Umgebung und der schwermütige Soundtrack sorgen zusätzlich dafür, dass man den Titel am liebsten am Stück durchspielen möchte. Dies geht eigentlich auch, denn nach etwa 10 Spielstunden ist man am Ende des Falls angelangt, wird jedoch noch 3-4 weitere Anläufe brauchen, um wirklich alles im Spiel zu sehen, was die Entwickler hier eingebaut haben.
In welche der vier Hauptcharaktere der Spieler schlüpft, ist klar vorgegeben, man darf sich also nicht frei entscheiden, wen man nun spielen möchte. Jedoch tragen alle Charaktere direkt zur Aufklärung oder aber zum Scheitern des Falls bei. Ob man Ethans zweiten Sohn rechtzeitig findet, wer der Origamikiller ist und ob es jemals aufhören wird zu regnen - alles Fragen, die auf Antworten warten. Und diese wird man nur bekommen, wenn man das Spiel spielt :)

Im Verlaufe der Ermittlungen kommt es sogar so weit, dass selbst Ethan Mars in den Verdacht gerät, der Origamikiller zu sein. Ob dies auch so ist? ...
Neben den vier Hauptcharakteren trifft man auch auf wichtige Nebencharaktere, mit denen man ab und an interagieren muß. Lauren Winter etwa, Prostituierte, deren Sohn selbst Opfer des Origamikillers wurde. Oder Carter Blake, Lieutnant bei der Polizei, rücksichtslos und brutal und das Hassobjekt für Norman Jayden, der mit dessen Berufsauffassung gar nicht klar kommt. Die technische Umsetzung des Titels finde ich persönlich sehr gelungen. Auf unserer PS3 (Slim, 250GB) konnten wir keinerlei SlowDowns bemerken, die von manchen Spielern angeprangert werden. Auch Abstürze traten bei unserem Test keine auf und ja, wir wissen, wer der Origamikiller ist.
Optisch ist Heavy Rain sehr gut gelungen und könnte fast als Film durchgehen. Sowohl die atmosphärische Umgebung als auch die emotionelle Mimik der Charaktere sorgen für optische Leckerbissen. Die Musikuntermalung ist sehr passend und bringt neben dem Regenszenario weiteren Flair in die dunkle Story um den Origamikiller.

Gesteuert wird - wie erwähnt - in Form vieler Quick-Time-Events, aber man darf die Charaktere auch zu einem gewissen Grad frei durch die einzelnen Szenen bewegen. Wer nun jedoch hofft, die ganze Stadt wie z.B. in GTA frei erkunden zu dürfen, der wird hier enttäuscht, vielmehr ist es etwa so, dass man immer an einem Set einer Szene ist und dort recht frei interagieren darf. Ansonsten ist die Story und deren Verlauf jedoch klar vorgegeben, halt je nach dem, wie sich der Spieler in diversen Situationen entscheidet. Und diese Entscheidungen sind meist endgültig, man überlegt sich halt vorher, ob man sich einen Finger abschneiden soll oder nicht...


Fazit:
Heavy Rain ist ein "Spiel" an dem sich die Geister scheiden. Die einen werden die Steuerung lieben, anderen wird diese zu wenig Abwechslung bieten. Ich jedoch sehe Heavy Rain als eine echte Bereicherung im Softwaredschungel und zudem als etwas, was es schon viel zu lange nicht mehr gab. Eine wirkliche Innovation in den bisher festgeschriebenen Genres, denn man kann Heavy Rain in keines der bestehenden einordnen. Die Story ist fesselnd und auch wenn man weiß, wer der Killer ist, wird man den Titel gerne noch mehrfach durchspielen, einfach um herauszufinden was passiert, wenn man sich dort oder da anders entscheidet, als man es beim letztmaligen Durchspielen getan hat.
Optik und stimmungsvoller Soundtrack runden den Titel genial ab.
Ich persönlich kann den Titel also nur wärmstens empfehlen und jedem ans Herz legen, der mal ein wenig Abwechslung im Spielealltag haben möchte!

  • Releasedatum: Freitag, 26 Februar 2010
  • Preis: 39,25 €
  • Genre: Action-Adventure
  • Altersfreigabe: USK: 16
  • Plattform(en): PS3
  • Sprache(n): Deutsch