inFamous 2

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Sucker Punch gelang mit inFamous im Jahre 2009 ein Überraschungserfolg. Der Titel baute rasch eine riesige Fangemeinde um sich auf, die nach einer Fortsetzung lechzte. Nun endlich ist es soweit und Cole McGrath macht sich erneut auf, seine Blitze auf Bösewichte und Halunken niederprasseln zu lassen. Ob inFamous 2 erneut wie ein heftiger Blitz einschlagen kann, oder ob ein Hamster im Laufrad mehr Energie erzeugt als inFamous 2 Spielspaß bietet – wir werden sehen...

inFamous 2 schließt direkt an den Vorgänger an, in dem Cole McGrath ja eher unfreiwillig zu einer Art Superheld mutierte. Durch eine riesige Explosion läuft er seitdem als Kraftwerk auf zwei Beinen durch die Gegend und setzt seine neu gewonnene Energie gegen üble Typen ein. In den ersten Minuten von inFamous 2 schlägt man sich in Empire City rum, der Stadt, die man aus Teil 1 kennt. Jedoch nur in den ersten Minuten, denn Cole verliert seinen Kampf und macht sich aus dem Staub. Gegen die „Bestie“ hat er derzeit keine Chance, daher versucht er, im südlich gelegenen New Marais neue Kräfte zu gewinnen, um später erneut gegen die „Bestie“ antreten zu können.

Leider ist New Marais keine Stadt, die man für einen geruhsamen Urlaub empfehlen würde. Die Einwohner werden von der ansässigen Miliz unterdrückt, der Leiter der Stadt ist ebenfalls nicht ganz koscher und damit es nicht langweilig wird, brechen bei einem missglückten Laborexperiment auch noch ein paar eisige Soldaten und Mutanten aus. Letztere treiben sich in den sumpfigen Gebieten von New Marais herum, welche man nach einiger Spielzeit erkunden darf.
Wie schon der Vorgänger, ist auch inFamous 2 wieder ein Open-World-Game. New Marais ist noch ein Stückchen größer als Empire City im ersten Teil, erinnert von den Gebäuden und dem restlichen Flair ein wenig an New Orleans und nicht wie Empire City an eine Großstadt.

Wie im Vorgänger kommt auch inFamous 2 etwas schwer in die Gänge und die eigentliche Story plätschert eher vor sich hin, als den Spieler durch den Titel zu treiben. So wird man, sobald man in New Marais angekommen ist, erst einmal diesen und jenen Auftrag erledigen, den man zugeschustert bekommt. Da auch diesmal Aufträge wieder Auswirkungen darauf haben, ob man sich eher Gut oder Böse weiterentwickelt, sollte man sich gut überlegen, welche der Aufträge man erledigen wird und welche vielleicht eher nicht. Um dem Spieler diese Überlegungen zu vereinfachen, bekommt Cole recht früh im Spiel zwei Mädels an die Seite gestellt, die indirekt Engelchen und Teufelchen verkörpern und Cole sehr direkt sagen, welche Auswirkungen was hätte.
Dies ist ein wenig schade, denn so wird man sich schon sehr bald keine eigenen Gedanken mehr machen, ob man nun dies oder jenes erledigt oder eher nicht. Hier hätte der Entwickler vielleicht ein bisschen mehr Eigeninitiative vom Spieler fordern sollen, als ihm alles auf dem goldenen Tablett zu präsentieren.

Musste man in inFamous noch seine Kräfte von Grund auf erlernen, verfügt Cole in inFamous 2 schon über ein beachtliches Repertoire, welches er einsetzen kann. Durch das Erledigen von Nebenquests kann man jedoch weitere Blitzarten freischalten und andere Attacken verbessern. Die Nebenquests sind nicht sonderlich kreativ, wie man es von Open World-Titeln kennt. Mal soll man eine kleine Gegnergruppe erledigen, mal diverse Dinge einsammeln usw. Diese Aufgaben wiederholen sich recht schnell, um seine Fähigkeiten zu verbessern, wird man sie aber dennoch erledigen. Zudem hat dies den Vorteil, dass man immer kleinere Kartenausschnitte von Gegnern säubert und danach in diesen Gebieten recht ruhig umher schlendern kann.

Wie erwähnt, werden Cole zwei Mädels an die Seite gestellt, die für Gut und Böse stehen. Kuo und Nix, so die Namen der zwei Holden, versuchen, Cole für ihre Ansichten zu gewinnen. Leider gibt es dadurch in inFamous 2 wirklich nur Schwarz und Weiß, auf Grauzonen, in denen man auch für eine gute Tat einmal etwas weniger Gutes in Kauf nehmen muß, hat Sucker Punch leider komplett verzichtet. Natürlich sorgen diese beiden klaren Seiten auch für einen gewissen Wiederspielwert, denn um das komplette Spiel mit allen Zwischensequenzen zu sehen, muß man es mindestens zweimal durchspielen, halt einmal als Engelchen und einmal als Teufelchen.

Die Feinde, auf die man im Spielverlauf trifft, stellen eigentlich keine sonderlichen Bedrohungen dar. Zumindest die normalen Gegner in den Nebenmissionen wird man durch Blitze oder das neue Nahkampfsystem recht schnell ins Nirvana schicken. Im Gegensatz zum Vorgänger schwingt Cole diesmal auch eine Waffe, die allerdings recht simpel einzusetzen ist. Mit zwei Buttons sollte man diese schnell im Griff haben und somit so manchem Bösewicht mit der Keule das Licht auspusten können.
Anders als im Vorgänger bewegt man sich in inFamous 2 nur an der Oberfläche, eine Kanalisation gibt es nicht mehr. Da Cole aber kein Freund von Wasser ist, hat Sucker Punch durch die Sumpfgebiete auch hier dafür gesorgt, dass man aufpassen sollte, in keine größeren Pfützen zu treten, denn Wasser und Strom sind nicht die besten Freunde...

So wird man sich nicht selten über Hausdächer bewegen, allerdings präsentiert sich dies optisch eher plump. Spieler, die auch Assassin's Creed gespielt haben (oder immer noch spielen), werden bei Coles Kletteranimationen die Hände vors Gesicht schlagen, denn wirklich geschmeidig sieht das nicht aus. Auch macht es nichts, wenn Cole mal von einem Haus fällt, Schaden nimmt er nicht, ganz egal, wie hoch das Gebäude war...
Die Mutanten, die im Spiel rumwuseln, verfolgen Cole bis auf die Dächer, man ist somit hier nicht zwingend sicher. Andere Gegnertypen bleiben jedoch lieber auf „dem Boden der Tatsachen“ und klettern nicht durch die Gegend.

Technisch ist inFamous 2 ein Stückchen besser als sein Vorgänger. Optisch hat man einiges verbessert, die Innenstadt von New Marais wirkt durch die NPCs belebt, was für eine gelungen Atmosphäre sorgt. Lichteffekte wurden verbessert und auch die Sichtweite scheint höher als im Vorgänger zu sein, wobei man auch in inFamous 2 merkt, dass gerade bei weiten Entfernungen eine Art Aufploppen von Gebäuden vorkommen kann. Dies nimmt man zwar nicht direkt wahr, aber achtet man ein wenig darauf, wird es einem auffallen. Den Spielspaß drückt es jedoch nicht, denn normalerweise achtet man während seiner Streifzüge durch die Stadt nicht auf solche Kleinigkeiten.

Hintergrundmusik und Soundeffekte gehen in Ordnung und sorgen teilweise für eine beklemmende Stimmung. Leider gilt dies nicht für die Sprecher, denn diese sind – wie schon im ersten Teil – nicht das Gelbe vom Ei. Witzigerweise ist die deutsche Synchronstimme von Cole angenehmer zu hören, als das englische Original und wann kommt sowas schon einmal vor? Auf Lippensynchronität der Charaktere sollte man jedoch besser nicht achten, denn hier wurde sehr unsauber gearbeitet.
Die Steuerung von Cole geht gut von der Hand. Man wird nach einigen Minuten mit der Tastenbelegung gut klar kommen, Blitze auf Gegner schleudern, Autos nach ihnen werfen oder sie im Nahkampf besiegen, sollte daher schon sehr bald kein Problem mehr für den Spieler sein.

Wie gesagt, wird man das Spiel mindestens zweimal spielen, bis man alles gesehen hat. Für einen Durchlauf benötigt man dabei ca. 15-20 Stunden, was auch darauf ankommt, wie viele der etwa 300 im Spiel verstreuten Splitter man einsammelt. Hat man alle Neben- und Hauptaufgaben erledigt, ist inFamous 2 trotzdem kein Staubfänger. Durch den mitgelieferten Editor kann man nämlich eigene Missionen gestalten, die dann der Community zur Verfügung gestellt werden können. Natürlich darf man auch Missionen von anderen Spielern herunterladen und spielen. Auf Wunsch läßt man diese Missionen einfach auf der Karte anzeigen und kann sich somit quasi endlos in inFamous 2 austoben.

Fazit:
inFamous 2 ist ein recht ordentlicher Titel. Zwar macht die dahinplätschernde Story es dem Spieler nicht leicht, sich mit dem Game anzufreunden, durch die offene Welt wird man aber schon bald hiervon nichts mehr mitbekommen. Natürlich sind die reinen Storymissionen abwechslungsreicher als die Nebenaufgaben, welche man aber trotzdem erledigen sollte.
Die strikte Unterscheidung von Gut und Böse hätte ein paar Grauzonen vertragen können, aber immerhin hat man hierdurch den Anreiz, den Titel mehrfach durchzuspielen.
Technisch geht inFamous 2 in Ordnung, wenn man von der eher schlechten Sprachausgabe einmal absieht. Ansonsten ist inFamous 2 ein gelungener Nachfolger und sollte wohl in keiner PS3-Sammlung fehlen. Daher spreche ich eine Kaufempfehlung aus!

Media

  • Releasedatum: Freitag, 10 Juni 2011
  • Preis: 23,85 €
  • Genre: Action-Adventure
  • Altersfreigabe: USK: 16
  • Plattform(en): PS3
  • Sprache(n): Deutsch
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