Split/Second: Velocity

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Split/Second: Velocity ist eines von drei Rennspielen, welches Ende Mai 2010 erschien. Wie sich der Titel neben "ModNation Racers" und "Blur" schlagen kann, ob die Split/Second: Velocity-Wagen ein paar PS mehr als die Konkurrenz unter der Haube haben, oder ob es eine Fehlzündung gibt, wird sich in folgendem Review zeigen.

Während "ModNation Racers" eher auf comichafte Optik setzt und sich somit am meisten an "Mario Kart" orientiert, bekommen die Spieler mit "Blur" und Split/Second: Velocity Fun-Racer an die Hand, die eher für das "erwachsene Publikum" gedacht sind. Zwar wollte ich "Blur" und Split/Second: Velocity in einem direkten Vergleich gegenüber stellen, habe diesen Gedanken jedoch verworfen, da sich die Spiele im Grunde doch zu sehr voneinander unterscheiden, als dass ein direkter Vergleich hier angebracht wäre. Daher werde ich, bis auf eine kleine Ausnahme, keine Vergleiche zwischen den beiden Titeln stellen.

Ab ins Fernsehen...
Split/Second: Velocity ist eine neue, fiktive Fernsehshow, in der der Spieler als Jungdarsteller seinen Platz findet. In dieser Fernsehshow gilt es, am Steuer von diversen Boliden gegen andere Fahrer zu bestehen, während um einen herum quasi die gesamte "Kulisse" der Show durch Explosionen in Trümmer zerlegt wird.
Hierzu wurden Sprengsätze an Häusern, Industrieanlagen wie einem Kernkraftwerk, Tankwagen, Brücken usw. angebracht, die die Fahrer durch Fernzündung zum Explodieren bringen können, um die Gegner von der Strecke zu pusten und selbst am Ende als Erster über die Ziellinie zu brettern.
Und so nehmen wir uns auch gleich einmal den Singleplayer-Modus vor, der im Spiel als "Staffel" gekennzeichnet ist. Staffel deswegen, weil die Fernsehshow aus insgesamt 12 Staffeln besteht, die sich widerum in einzelne Episoden aufteilen. Die meisten der Episoden sind Rennen, in denen man einen der vorderen Plätze ergattern sollte, um genug Punkte für den Staffelsieg einzufahren. Neben den normalen Rennen gibt es noch den Helikopterangriff, bei dem man mit dem Rennwagen geschickt dem Raketenbeschuß eines Helikopters ausweichen muß und die Überhol-Events. Bei diesen müssen Trucks überholt werden, die hochexplosive Ladung, in Form von Fässern verlieren. Zum einen muß man hier den herunterfallenden Fässern ausweichen, anderen Rennwagen nicht in die Quere kommen und zum anderen die Trucks überholen, um ordentlich Punkte zu sammeln. Diese Punkte werden am Ende mit denen der Kontrahenten verglichen und der Sieger wird gekürt. Damit man nicht denkt, hier wird gemogelt, stehen die Punktzahlen der Gegner schon vor dem Rennen fest, man kann also sehen, an welcher Position man nun liegt.

Der Großteil der Episoden in einer Staffel besteht jedoch aus den normalen Rennen, wobei das Wörtchen "normal" hier schon sehr gedehnt werden darf. Im Gegensatz zu anderen Fun-Racern sammelt man nämlich in Split/Second: Velocity keine PowerUps ein, um seinen Gegnern zu schaden, sondern hier muß man dafür sorgen, dass eine Leiste gefüllt wird, die aus mehreren Segmenten besteht. Diese Leiste füllt man z.B. durch gelungenes Driften um Kurven, Windschattenfahren und Sprünge. Diese "Füllung" der Segmente setzt sich aus drei Stufen zusammen. Die ersten beiden Stufen sind blau und können für "einfache" Explosionen eingesetzt werden, die dritte Segmentstufe ist rot und darf z.B. eingesetzt werden, um die komplette Strecke zu verändern. Setzt man eine Segmentstufe ein, muß erst wieder neu gesammelt werden, um weitere Explosionen auszulösen. Wann man diese Explosionen auslösen darf, sieht man an Zeichen, die über den gegnerischen Fahrzeugen zu sehen sind. Hat man also ein blaues Segment der Anzeige gefüllt und die vor einem fahrenden Boliden befinden sich neben einer sprengbaren Kulisse, kann man per Tastendruck die Explosion auslösen und hoffen, dass diese möglichst die anderen Fahrzeuge erwischt. Schafft man dies, werden die Fahrzeuge im besten Fall zerstört und erst nach einer kurzen Zeit wieder auf die Strecke gesetzt. So muß man sich durch geschicktes Einsetzen der Explosionen den ersten Platz erkämpfen, wobei die KI nicht immer ganz so leicht zu besiegen ist.

Leider kennt man nach einigen Spielstunden fast alle Orte, an denen Explosionen ausgelöst werden können, kann also den Angriffen der anderen Fahrer vorausschauend entgehen, was die Sache etwas leichter macht. Auch wenn dies ein kleines Manko ist, welches man besonders im Multiplayer bemerken wird (dazu später mehr), wurden die Explosionen sehr gut in Szene gesetzt und sind immer wieder ein wahrer Augenschmaus. Zudem darf man sich manche Explosion noch in einer Art Bullet-Time-Ansicht anschauen, bekommt also die Explosion in einem sehr langsamen Zeitablauf präsentiert, um sie richtig geniessen zu dürfen. Hat man genügend Punkte in den Episoden gesammelt, schaltet man nach und nach neue Fahrzeuge frei, die natürlich dann in späteren Rennen genutzt werden dürfen.

Neue Autos braucht das Land...
Diese neuen Fahrzeuge sind jedoch nicht nur für den Singleplayer-Modus wichtig, denn in diesem erspielt man sich die Fahrzeuge, die man dann später im Multiplayer nutzen darf. Alternativ kann man sich im PlayStation Store oder über Xbox Live ein Päckchen kaufen, welches alle Fahrzeuge freischaltet. Jedoch erkennt man in den Rennen, wer diese Option genutzt hat, denn nicht nur neue Fahrzeuge spielt man im den Staffeln frei, sondern auch deren "Verzierungen". Für gewonnene Episoden etc. bekommt man Decals, also Aufkleber, die an seinem Fahrzeug festgepappt werden. Durch diese Aufkleber kann man sehr gut erkennen, wer von den Onlinegegnern wirklich Erfahrung mit dem Spiel gesammelt hat und wer nicht. Vorteil daran ist, dass man Gegner, die zwar schnelle Autos nutzen, jedoch keine Streckenkenntnis besitzen, auch mit langsameren Fahrzeugen besiegen kann. Leider hat man mit den Anfangsfahrzeugen keine Chance, wenn man auf Spieler trifft, die sich bereits alles erspielt haben. Hier muß man also entweder die Download-Option ziehen, oder aber erst den Singleplayermodus durchspielen.

Die Steuerung der Fahrzeuge ist gewöhnungsbedürftig. Es dauert eine Weile, bis man sich an ein einzelnes Fahrzeug gewöhnt hat, denn im Gegensatz zu anderen FunRacern sollte man in Split/Second: Velocity auch von der Bremse (bzw. der Handbremse) Gebrauch machen. Donnert man in den Kurven nämlich zu heftig in die Streckenbegrenzung, kommt es nicht selten zu einem Totalschaden und man verliert wertvolle Sekunden. Bis man weiß, wann man in welcher Kurve mit welchem Fahrzeug wo anbremsen muß, vergeht schon ein Weilchen. Hier hilft demnach nur das berühmte: Üben, üben, üben!
Wie bereits geschrieben, löst man mit den einzelnen Segmentstufen fast immer Explosionen aus. Vereinzelt findet man jedoch auch Abkürzungen, die so aktiviert werden können. Stellt man es sehr geschickt an, kann man auch Abkürzungen nutzen, die ein Kontrahent aktiviert hat, hier sollte man sich jedoch beeilen, bevor diese wieder verschlossen wird.

Ich mag nicht mehr alleine...
spielen und daher stürzt man sich nun in den Multiplayer-Modus. Wie erwähnt hat man hier quasi nur Chancen, wenn man entweder im Singleplayer alle Wagen freigeschaltet hat, oder aber durch das Downloaden des kostenpflichtigen Pakets die Fahrzeuge hat freischalten lassen. Nutzt man online nur die anfangs verfügbaren Fahrzeuge, wird man schnell Frusterlebnisse bekommen, denn mit diesen kann man im Prinzip nichts mehr reissen. Ansonsten sind die Onlinemöglichkeiten eher mager ausgefallen. Zwar kann man auch hier die Spielmodi wählen, die auch im Singleplayer zur Verfügung stehen, jedoch bestehen die Onlinerennen nur aus maximal 8 Spielern. Wie erwähnt, hat man nach einigen Spielstunden die Orte, an denen Explosionen ausgelöst werden können, verinnerlicht, was natürlich auch für die anderen Spieler gilt. Daher wissen diese auch, wie und wo man ausweichen muß und nur selten erwischt man einen anderen Spieler mit einer ausgelösten Katastrophe. Im Endeffekt wird also am Ende der gewinnen, der a) den schnellsten Wagen hat und b) diesen am besten beherrscht, die Explosionen werden jedoch kaum noch Einfluß auf das Spielgeschehen haben.

Und hier kommt nun auch der Unterschied zum Tragen, den es zum Kontrahenten "Blur" gibt. Setzt man in Split/Second: Velocity eben auf die Explosionen der Umgebung, sammelt man in "Blur" PowerUps ein, die die Rennen unberechenbarer machen. Dieser Umstand macht Split/Second: Velocity nicht zwingend zum schlechteren Spiel, jedoch fehlt zu oft der "Aha-Moment", der am Ende rennentscheidend sein kann. Auch fehlen in Split/Second: Velocity zu viele Kleinigkeiten, die den Multiplayermodus aufwerten würden. Es gibt kein Auswahlverfahren bei den zu fahrenden Strecken, diese bestimmt immer der Host. Auch fehlt eine Möglichkeit, nur gegen "gleichstarke" Fahrzeuge zu fahren, was für mehr Abwechslung sorgen würde. Eine Unterteilung in Fahrzeugklassen hätte hier sicher leicht eingefügt werden können.
So wird man sicher immer wieder einmal ein Rennen online bestreiten, für stundenlanges Fahrvergnügen am Stück jedoch wird zu wenig geboten.

Leider gilt dies auch für den Splitscreen-Modus, der es zwei Spielern an einer Konsole erlaubt, gegeneinander anzutreten. Kann man nämlich sonst nie über Framerateeinbrücke meckern, geht diese im Splitscreen so ziemlich flöten. Ruckler und aufplöppende Umgebung sorgen dafür, dass man den Splitscreenmodus recht schnell zu den Akten legt und dann doch lieber online spielt, wenn man nicht mehr alleine zocken mag.

Sieht aus, hört an, steuert so...
Optisch kann sich Split/Second: Velocity auf jeden Fall sehen lassen. Die eingesetzte Havoc-Engine sorgt dafür, dass in den Überholrennen die Fässer in nicht berechenbare Richtungen purzeln, Explosionen den Spieler mitreissen und die restliche optische Präsentation sehr stimmungsvoll ist. Hat man anfangs noch das Gefühl, dass der Spielablauf ein wenig träge ist, ändert sich dies bei späteren Rennen und schnelleren Boliden doch sehr stark.
Der Hintergrundsoundtrack kann sich hören lassen und sorgt noch ein wenig mehr für die richtige Atmosphäre. Fahrzeuggeräusche und wummernde Explosionen passen ebenso zum Rest der Präsentation. Jedoch gibt es hier einen kleinen Mangel, wenn man eine Dolby 5.1-Anlage an der Konsole angeschlossen hat. Kann man beim Stereo-Sound noch nicht meckern, bleibt beim Surround-Erlebnis so manches auf der Strecke.
Die Steuerung der Fahrzeuge ist anfangs etwas träge. Wenn man jedoch gelernt hat, wie man um Kurven driftet, wird man kaum noch etwas an der Steuerung aussetzen können.

Fazit:
Wäre Split/Second: Velocity nicht zeitgleich zur doch sehr starken Fun-Racer-Konkurrenz auf den Markt gekommen, hätte es der Titel sicher leichter. Betrachtet man Split/Second: Velocity nämlich, ohne die anderen beiden Titel im Hinterkopf zu haben, macht das Spiel eine Menge Spaß. Optisch kann Split/Second: Velocity sowieso überzeugen, da die Explosionen einfach klasse umgesetzt wurden und auch vom restlichen Spielgeschehen hat man lange Spaß mit dem Titel. Der Multiplayer bräuchte noch dringend ein Update, welches unterschiedliche Fahrzeugklassen einführt und die zu fahrenden Strecken von den in der Lobby anwesenden Spielern abgestimmt werden dürfen. Gerade im Multiplayer geht Split/Second: Velocity leider gegen die direkten Konkurrenten etwas unter, was am Ende für die etwas schlechtere Note sorgt.
Betrachtet man Split/Second: Velocity jedoch genau, kann man den Titel auf jeden Fall empfehlen und in einer Sammlung sollte er keinesfalls fehlen.

  • Releasedatum: Donnerstag, 20 Mai 2010
  • Preis: 21,99 €
  • Genre: Rennspiel
  • Altersfreigabe: USK: 12
  • Plattform(en): PS3, PSP, PC, Xbox 360
  • Sprache(n): Deutsch