Alice: Madness Returns

Rate this item
(0 votes)

Ganze 11 Jahre ist es nun her, dass der Spieler Alice im Auftrag von American McGee auf eine Reise ins Wunderland begleiten durfte. Nun ist es erneut so weit, dass die „kleine“ Alice wieder durch ihre wilden Phantasien begleitet werden will. Auch Alice ist nun 11 Jahre älter, herangewachsen zu einer jungen Frau, aber noch immer geplagt von ihren Träumen. Ihre gesamte Familie fiel einem tragischen Feuer zum Opfer und Alice wird nun der Tat beschuldigt. Nun liegt es am Spieler, mit Alice eine Reise ins Wunderland zu unternehmen, um dort die wahren Schuldigen für die schreckliche Tat zu finden.
Ob diese Aufgabe Spaß macht, oder ob man den Titel vielleicht besser ebenfalls in das Feuer geworfen hätte, dem Alice' Familie zum Opfer fiel – wir werden sehen...

Gleich zu Beginn sei gesagt, dass das Wunderland in Alice: Madness Returns nicht sehr viel mit dem aus Lewis Carrolls Märchen „Alice im Wunderland“ zu tun hat. Einige der Figuren, die man aus dem Märchen kennt, wird man auch in Alice: Madness Returns treffen, so dürfen z.B. die Grinsekatze und die böse Herz-Königin nicht fehlen. Ansonsten ist das Wunderland in Alice: Madness Returns eher eine surreale Traumwelt, die einer gestörten Psyche entspringt. Womit wir auch beim Thema und beim Start des Spiels wären, denn der Spieler startet in einer albtraumartigen Sequenz, die die seelischen Abgründe Alice' preis gibt. Alice befindet sich seit einigen Jahren in Behandlung bei einem Psychiater, der ihrem Leiden auf den Grund gehen will. Leider bisher eher erfolglos.

Und hier steigt der Spieler ins Geschehen ein, übernimmt die Rolle von Alice und macht sich auf, die tristen Gassen Londons zu erkunden. Schon bald hüpft ein weißes Kätzchen vor Alice und animiert sie und damit auch den Spieler dazu, ihr zu folgen. Schnell rennt man dem Kätzchen nach, welches plötzlich verschwunden ist. Dafür jedoch tauchen merkwürdige Gestalten mit verzerrten Kaninchenfratzen auf, die ebenso plötzlich wieder verschwunden sind. Ein altes Weib erscheint, fordert Alice zu einem Besuch auf und nach einer kurzen Weile befindet sich der Spieler schon auf dem Dach der Alten um ihr einen Besuch abzustatten. Doch auch das alte Weib entpuppt sich als merkwürdige Gestalt und nachdem ihr plötzlich Flügel wachsen und ihr Gesicht fratzenhaft entstellt ist, springt Alice in ihr ganz persönliches Wunderland.

Im freien Fall geht es ab, an Dominosteinen und Uhren vorbei, bis Alice schließlich sanft auf dem Boden landet. Und hier beginnt das eigentliche Spiel. Langsam wird der Spieler in Alice: Madness Returns eingeführt, denn zu Beginn kann man nur springen. Schnell jedoch lernt man andere Fähigkeiten und bekommt diese auch erklärt. So darf man schon bald schrumpfen, um auch durch kleinere Durchgänge in andere Passagen des Wunderlands zu gelangen, Alice lernt die Fähigkeit des Schwebens und des Ausweichens und findet auch schon bald ihre erste Waffe, den Vorpal-Dolch. Diesen wird sie auch schon bald brauchen, denn die ersten Gegner erscheinen und wollen Alice ans Kleidchen. Sehr schnell wird man sich an die Fähigkeiten von Alice gewöhnt haben und bekommt auch schon bald seine zweite Waffe, die Pfeffermühlenkanone. Mit ihr kann man auf weiter entfernte oder fliegende Gegner schießen. Allerdings sollte man hier darauf achten, dass die Kanone nicht „überhitzt“, denn sonst braucht sie einen kleinen Moment, bis sie wieder einsatzbereit ist. Durch das Aufsammeln von Zähnen, die man in Schneckenhäusern findet, die aber auch von besiegten Gegnern fallen gelassen werden, kann man nach einiger Zeit im Wunderland shoppen gehen und seine Waffen aufwerten lassen.

Sehr schön umgesetzt wurde die Ausweichfähigkeit. Nutzt man diese (und man wird sie im Laufe des Spiels oft nutzen müssen), löst sich Alice kurz auf, verwandelt sich in einen Schwarm blauer Schmetterlinge und erscheint kurz darauf ein Stückchen entfernt wieder auf der Bildfläche. Diese Fähigkeit muss man beispielsweise einsetzen, um Gegner mit Schilden auszuschalten. Diese können normal nicht angegriffen werden, bzw. Angriffe prallen an deren Schild ab. Weicht man jedoch im richtigen Moment aus, stolpern die Gegner und sind kurze Zeit ohne Deckung. Diesen Moment nutzt Alice dazu, ihren Dolch oder die Pfeffermühlenmkanone einzusetzen und die entsprechenden Gegner ins Jenseits zu befördern.
Bei den Gegnern hat man sich übrigens eine Menge einfallen lassen. Alice kämpft gegen vielerlei Feinde, angefangen beim einfachen Teerwurm, über Teekessel bis hin zu übergroßen Bossen. Hier wird dem Spieler also einiges geboten.

Leider war man beim Leveldesign nicht ganz so kreativ. Optisch präsentieren sich die Level klasse, aber leider absolut linear. Man wird ganz automatisch zum Ziel geführt, es kann quasi nicht passieren, dass man sich einmal verirrt. Leider sorgt dies auch dafür, dass man das Wunderland nicht in freien Stücken erkunden darf, sondern nur zu Gesicht bekommt, was die Entwickler zeigen wollten. Es wäre schon schön gewesen, wenigstens einige Sackgassen einzubauen, statt in jedem Level nur von A nach B laufen zu müssen. „Nur“ allerdings heißt in Alice: Madness Returns, dass man manch unfaire Sprungsequenz meistern darf. Viele der Sprungabschnitte müssen genau abgepasst werden, wenn man sie nicht wieder und wieder erneut versuchen will. Dies kann und wird schon recht schnell zu Frusterlebnissen führen, denn nicht selten springt man in einen Abgrund und darf eine längere Sprungpassage erneut versuchen.

Zwar sind die Rücksetzpunkte sehr großzügig verteilt, aber gerade Neulinge im Genre werden schon im ersten Level an ihre Frustgrenze getrieben. Springt man an einer sich bewegenden Plattform nicht millimetergenau ab, wird man auf einer anderen Plattform, die sich natürlich ebenfalls bewegt, sicher nicht ankommen. Manchmal kommt man somit auch in Situationen, in denen man nicht einmal versteht, wieso man nun wieder in den Abgrund gestürzt ist, denn normal hätte Sprung X ja passen müssen...
Ob es sinnvoll ist, die Spielzeit hierdurch künstlich zu verlängern, lasse ich einfach mal dahingestellt. Auch geübte Spieler werden an vielen Sprungpassagen mehrfach Anläufe nehmen müssen, um diese zu meistern.

Wett macht diese Frust-Hüpferei allerdings der Grafikstil, den man in Alice: Madness Returns erleben darf. Die einzelnen Level sind so liebevoll und psychedelisch gestaltet, dass man sich jede Ecke genau anschauen sollte. Flüsse voller Blut fließen durchs Wunderland, Schweinenasen fliegen durch die Luft und wollen gepfeffert werden, damit sie neue Levelabschnitte frei geben, Fernblicke an tiefen Schluchten sind einfach atemberaubend und vieles mehr. Alleine schon die Präsentation des Wunderlands macht Alice: Madness Returns zu einem Titel, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Auch wenn der spielerische Aspekt (Hüpfen und Kämpfen) und das sehr lineare Leveldesign nicht mit aktuellen Titeln mithalten können, macht der optische Funfaktor diese Negativpunkte wieder wett. Man sollte sich daher Alice: Madness Returns nicht als Action-Adventure kaufen, sondern den Titel eher als optisch ansprechende Reise, durch die verkorkste Psyche einer jungen Frau ansehen.
Und zudem sollte ein Blick in Alice' grüne Augen reichen, um den Titel zu kaufen. Diese wurden wunderbar designet und zeigen eine gewisse Traurigkeit, gepaart mit einem wirren Ausdruck und dem Wissen um Alice Vergangenheit.

Ganze vier Schwierigkeitsgrade warten übrigens auf den Spieler, was die Gesamtspielzeit des Titels natürlich aufwertet. Das Aufwerten der Waffen habe ich bereits erwähnt, hierdurch ist also auch die Sammelleidenschaft der meisten Spieler befriedigt. Die Steuerung der wenigen Aktionen, die Alice ausführen kann, ist recht simpel, an diversen Sprungpassagen wird man jedoch ab und zu verzweifeln, ehe man sie doch noch schafft.
Optisch ist das Spiel ein Augenschmaus, denn das Wunderland wurde wunderbar abstoßend umgesetzt und zeigt, wie sehr die Psyche von Alice angeknackst ist.
Hierzu passt auch die Hintergrundmusik, die niemals aufdringlich ist, aber immer passend ins Spiel eingreift. Auch die Soundeffekte passen jederzeit zum Spielgeschehen.
Ein besonderes Lob gilt aber der deutschen Synchronisation, denn diese ist absolut klasse. Endlich mal ein Titel, bei dem man nicht auf die Originalvertonung umstellen möchte, großes Lob an dieser Stelle an die Sprecher!

Fazit:
Alice: Madness Returns ist ein Spiel, welches man entweder mag oder eben nicht. Vom Umfang her ist der Titel Durchschnitt, das Leveldesign ist stur linear und die Sprungabschnitte teilweise sehr unfair. Optisch jedoch zieht Alice: Madness Returns den Spieler in eine surreale Welt, die teilweise sehr beklemmend wirkt. Lässt man sich auf diesen Psychotrip aber ein, wird man an Alice: Madness Returns viel Spaß haben. Zudem bekommt man beim Kauf einen Downloadcode, der zum kostenlosen Download des 11 Jahre alten Alice-Titels berechtigt, den man gleich noch in HD spendiert bekommt. Somit bekommt man zwei Spiele zum Preis von einem, was dann auch den Umfang noch einmal aufwertet.
Ich fühlte mich in der bedrückenden Spielwelt von Alice: Madness Returns „sehr wohl“ und kann den Titel nurrrrrrrr weiterrrrrrrempfehlen :o) !

Media

  • Releasedatum: Donnerstag, 16 Juni 2011
  • Preis: 39,96 €
  • Genre: Action-Adventure
  • Altersfreigabe: USK: 16
  • Plattform(en): Xbox 360, PC, PS3
  • Sprache(n): Deutsch
More in this category: « Titanfall Alien Breed 2: Assault »