Blue Dragon

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Lange Zeit war es ein Manko der Xbox 360, dass zwar Shooter, Sport- und Rennspiele in wahren Massen verfügbar waren, die Spielerschaft der Rollenspiele jedoch kläglich vernachlässigt wurde. Final Fantasy-Godfather Hironbou Sakaguchi jedoch zieht nun im Auftrag des Microsoft-Imperiums aus, dieses Manko zu beheben. Hat er es geschafft, oder nimmt er seine kulleräugigen Freunde lieber mit ins Entwickler-Exil - das folgende Review wird es zeigen...

Die Story
Dunkle Wolken ziehen über das Örtchen Talta. Ein Omen, das schreckliche Ereignisse ankündigt. Das kleine Bergdorf wird von Schatten heimgesucht und urplötzlich von einem Landhai angegriffen! So beginnt eure Reise in die wunderbare Welt von Blue Dragon, in der ihr Shu und seine Begleiter Giro und Klug trefft.
Um den Landhai zu stoppen, bevor er noch mehr Schaden anrichten kann, müssen sich die drei sympathischen Helden schnell eine Lösung einfallen lassen.
Schon nach kurzer Zeit lernt Shu den bösen Nene, einen alten Mann, der mit seinem uralten Fluggerät um die Welt fliegt, kennen. Nachdem er Shu bedroht hat, wirft er ihn und seine Freunde aus dem Fluggerät. Zum Glück werden die Helden von einer mysteriösen Kraft gerettet. Sie finden sich in einer seltsamen Kammer wieder und werden Zeuge, wie übernatürliche Kräfte ihre Schatten verändern - und dank dieser Schatten ziehen die drei kleinen Helden aus, um die Welt vor Nene zu retten...

Die Welt retten...
So lautet wie in fast allen Rollenspielen die Aufgabe des Spielers. Nachdem man die Schatten der Spielfiguren erhalten hat, geht das Spiel erst richtig los, alles was vorher passiert führt den Spieler in die Geschichte ein.
Gleich zu Beginn sei gesagt, dass Spieler, die ein Problem mit kulleräugigen Mangafiguren haben, hier nicht weiterlesen müssen, denn davon gibt es in diesem Spiel mehr als genug. Alle anderen werden jedoch eine liebevoll gestaltete Welt und deren Geschichte erleben.

Final Fantasy unter neuem Namen?
Diese Frage kann man sich schon stellen, denn das der Erfinder der Final Fantasy-Reihe für Blue Dragon verantwortlich ist, ist nicht zu übersehen. Hierbei sei angemerkt, dass Blue Dragon ein Rollenspiel der klassischen Sorte ist, Echtzeitkämpfe wird man hier vergeblich suchen.
Wie in den alten Final Fantasy-Teilen laufen Kämpfe rundenbasiert ab. Durch eine Anzeige am oberen Bildschirmrand sieht man, wer wann an der Reihe ist und kann somit auch strategisch die Gegner angreifen. Ich persönlich finde es sehr gut, dass endlich wieder ein RPG nach dieser klassischen Variante den Weg nach Deutschland gefunden hat, denn selbst bei der Final Fantasy-Serie wurde in den letzten Teilen zu sehr nach "westlichen Wünschen" programmiert.
Ein kleiner Unterschied zum bekannten Urvater ist die Tatsache, dass Kämpfe nicht durch Zufallsprinzip stattfinden, sondern die Gegner vorher zu sehen sind. Möchte man nicht kämpfen, kann man diesen rechtzeitig ausweichen, jedoch levelt man hierdurch nicht.
Sehr praktisch hierbei ist, dass man mit der rechten Schultertaste des Controllers mehrere Gegner in einen Kreis ziehen und diese auf einmal angreifen kann. Hier läuft es dann so ab, dass die Gegner der Reihe nach bekämpft werden und nach jeder Gegnergruppe für die eigenen Charaktere ein Bonus ausgewürfelt wird. Auch kann es vorkommen, dass sich Gegner gegenseitig bekämpfen, was natürlich der Idealfall ist. Dies wird durch gelbe Schrift angezeigt, wenn man mit der Schultertaste den Ring um die Gegner gezogen hat.

Schattiges...
Im Gegensatz zu anderen Rollenspielen, kämpft man in Blue Dragon nicht mit Waffen, sondern lässt die oben bereits erwähnten Schatten die Kämpfe ausüben. Man gibt also dem Charakter die Anweisung, die hinterher sein Schatten ausüben wird.
In welche Richtung sich die Charaktere entwickeln ist nicht straff vorgegeben, sondern kann vom Spieler selbst festgelegt werden. Es gibt diverse Klassen, die man nach und nach den jeweiligen Charakteren zuordnen kann, mit jedem Kampf steigen deren untergeordnete Fähigkeiten. Entschliesst man sich, z.B. Giro der weissen Magie zuzuordnen, so kann man trotzdem hinterher immer noch wechseln und ihn beispielsweise Barrierenmagie erlernen lassen.
Diese Hauptklassen kann man jederzeit ändern, wobei zu bedenken ist, dass immer nur die aktive Klasse gelevelt wird. Es sollte also gut überlegt werden, wann und welcher Klassenwechsel sinnvoll ist.
Insgesamt gibt es neun Klassen, wie z.B. den Mönch oder den Schwarzmagier, die erlernt werden können.

 

Erfahrung, Gold und mehr...
Erfahrungspunkte sammeln die Charaktere durch siegreiche Kämpfe, wie im Genre fast üblich ist. Sowohl die Charaktereigenschaften, die Trefferpunkte als auch die Charakterklassen werden hierdurch gesteigert. Hat man in einer Klasse ein bestimmtes Level erreicht, bekommt man neue Fähigkeiten spendiert, die das kommende Leben erleichtern werden.
Jedoch nicht nur durch Kämpfe erhält man Erfahrung, diese kann man auch mit Glück in der Landschaft "finden". Wer nur einfach stur den direkten Weg verfolgt, wird nach einiger Spielzeit Nachteile gegenüber dem haben, der sich seine Umgebung näher betrachtet. Jede Menge Steine, Äste, Kisten usw. warten nämlich darauf, per Tastendruck untersucht zu werden. Sehr oft ist hier Gold versteckt, mal Items und eben auch mal Erfahrungspunkte, die immer gerne gesehen sind.

Ausrüstung?
Bis auf einige Kleinigkeiten, kann man die Chars nicht ausrüsten. Wie erwähnt, kämpfen die Schatten und die benötigen weder Waffen noch Rüstungen. Nur einige Schmuckteile können ausgerüstet werden, z.B. Ringe und Ketten. Natürlich findet man im Laufe des Spiels Schmuckstücke, die nette Boni parat halten. Sowohl an Nahkämpfer als auch an magiebegabte Chars wurde hier gedacht, da sich die Boni je nach Schmuckstück unterscheiden.
Schmuckstücke kann man jedoch nicht nur finden, sondern auch in den vielen Städten kaufen. Gleiches gilt für Zaubersprüche. Manche findet man, mit anderen sollte man sich beim Händler eindecken. Auch Items können hier in speziellen Shops gekauft werden, um nicht ohne Heilmittel in den Kampf ziehen zu müssen.

Nebenquests?
Ja, diese gibt es, wenn auch sehr einfach gehalten und nicht in allzu grosser Menge. Man hält sich eher mit dem Hauptquest auf, Nebenaufgaben erledigen sich fast von selbst. Mal müssen Wandgemälde gezählt werden, ein anderes Mal wird ein Buch vermisst usw. Jedoch hat man mit der Haupthandlung genug zu tun, denn immerhin wartet das Spiel mit 3 prall gefüllten DVDs auf. Wie man sieht, scheinen solche Titel bei der Xbox 360 an die Grenzen zu stossen und man vermisst doch ein wenig ein unterstütztes HD-DVD-Laufwerk.
Während man mit dem Hauptquest beschäftigt ist, wird man viele Orte bereisen, die allesamt abwechslungsreich und sehr detailverliebt gestaltet wurden. Fürs Auge wird dem Spieler somit sehr viel geboten, was zum Entdecken anregt. Viele Zwischensequenzen treiben die Story voran und man fühlt sich oft in die Geschichte versetzt. Damit diese nicht auf drei Charaktere beschränkt ist, wird man nach und nach noch zwei weitere Teammitglieder bekommen, die einem im Kampf gegen Nene beistehen werden.

Man spricht deutsch!
Was sehr positiv aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass Blue Dragon komplett eingedeutscht wurde. Und hier rede ich nicht nur von den Bildschirmtexten, nein, auch die Sprachausgabe erfolgt in deutscher Sprache. Und dies findet man bei Rollenspielen auf anderen Konsolen leider nicht, dort wird man nur mit deutschen Bildschirmtexten bei der Stange gehalten.
Die Synchronsprecher machen ihre Sache sehr gut, nur die Stimme von Shu nervt beizeiten. Dies liegt aber weniger am Synchronsprecher, sondern eher an der zugeteilten Rolle. Shu ist eben ein meist brüllender, nervender Teenager...
Allerdings muß man bei der Lokalisierung auch einige Abstriche machen, denn es wurde zu genau übersetzt. Da wundert man sich schon über Gegner, die "Kackschlange" heissen. Nun ja, es sind eine Art von Kothaufen, aber dies gerade mit "Kack" zu übersetzen, klingt ein wenig nach billigem Übersetzungsprogramm. Auch liest es sich nicht sehr angenehm, wenn auf dem Bildschirm die Meldung erscheint "kritischer Treffer, ein Haufen Kacke spritzt alles voll". Vielleicht wäre hier der Begriff Kot eher treffend gewesen, aber das lassen wir mal dahingestellt.

Der Rest der Welt...
Die Bedienung des Spiels ist sehr einfach gehalten. Die Tasten des Controllers wurden sinnvoll belegt und schon nach wenigen Minuten kommt man mit den Menüs klar. Zudem erhält man zu Spielbeginn eine Art Tutorial, welches alles wichtige erklärt.
Ein kleiner Nachteil des Spiels sind die dem Xbox 360-Spieler bekannten Erfolgspunkte. Diese sind in Blue Dragon eher unschön verteilt, da man zu Beginn welche erhält und dann den Großteil erst zum Ende des Spiels bekommen kann. Hier wäre eine stetige "Bepunktung" besser gewesen, was ja viele andere Spiele gut aufzeigen. Jedoch sollte man sich an solchen Kleinigkeiten nicht hochziehen, zudem die Erfolgspunkte ja eh nur eine nette Dreingabe bei Xbox 360-Games sind.
Soundtechnisch ist das Spiel Japano-RPG-like auf dem Höhepunkt. Stimmungsvolle Musiken sorgen immer für die richtige Atmosphäre, den Spieler erwartet auch hier sehr viel Abwechslung.
Ein kleiner Nachteil sind die Ladezeiten, die ab und an nerven können, aber auch mit diesem Mini-Manko freundet man sich mit der Zeit an.

Fazit / Kommentar

 
Jeder, der Japano-RPGs wie die Final Fantasy-Serie mag, kann an Blue Dragon nicht vorbeikommen. Liebevolle Charaktere, komplette Lokalisierung, schmucke Grafik und eine gute Story sorgen für langen Spielspaß. Und für die, die das Spiel als "zu leicht" einstufen, gibt es inzwischen auf Xbox Live einen neuen Schwierigkeitsgrad zum Download. Lange kam kein RPG dieser Machart mehr nach Europa, hier sollte man unbedingt zugreifen. Alle die unsicher sind, ob sie mit der Manga-Optik klar kommen, können ja einmal in den Titel reinschauen.

 

  • Releasedatum: Freitag, 24 August 2007
  • Preis: 19,50 €
  • Genre: Rollenspiel
  • Altersfreigabe: USK: 12
  • Plattform(en): Xbox 360
  • Sprache(n): Deutsch, Englisch, Japanisch