Castlevania: Lords of Shadow

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Im mittelalterlichen Europa herrscht Chaos und der Planet wurde von einem mächtigen Zauber verwüstet. Unser Held der Geschichte, Gabriel Belmont, schwört Rache an jenen, die seine geliebte Frau Marie brutal ermordet haben. Also wieder ein Belmont, dessen Name den Bezug zu alten Castlevania-Teilen gibt. Gabriel macht sich mit seinem letzten Verbündeten auf die Suche nach den drei Schattenlords, die jeweils einen Teil einer Maske besitzen. Diese zusammengesetzt, soll es erlauben die Toten zum Leben zu erwecken und somit seine geliebte Frau zu retten.

In Castlevania: Lords of Shadow wurden unsere Hauptprotagonisten von bekannten Größen wie Robert Carlyle und Patrick Stewart gesprochen. Diese epische Geschichte um Liebe, Verzweiflung und Hoffnung erschien sowohl für die Xbox 360, als auch für die PlayStation 3. Hier nehme ich die Xbox 360 Fassung genauer unter die Lupe…

Zu Beginn des Spieles bekommt ihr erstmal einen Speicherhinweis und müsst dann die Helligkeit einstellen. Anschließend öffnet sich ein Buch, in dem der Schwierigkeitsgrad festgelegt wird. Junker, Krieger oder Ritter ist hier einstellbar. Die schwierigste Stufe, Paladin, ist erst nach Beendigung der Story möglich. Wieder öffnet sich ein Buch, in dem die Geschichte einleitend erzählt wird und ich fühle mich an Manowars “The Warriors Prayer” erinnert (die, die es kennen, werden wissen, was ich meine).

Und dann beginnt die Reise ins Nirgendwo, genauer gesagt, erstmal in ein belagertes Dorf. Wow, die Grafik haut mich gleich vom Hocker. Sensationell! Ich sehe zu Beginn einen Sonnenuntergang, doch der erste Regen soll nicht lange auf sich warten lassen. Kutschen, Pferde, mit Heugabeln bewaffnete Menschen und Gabriel vom Regen durchnässt. So sieht er also aus, unser Held, mit dem wir rund 30 Stunden Spielspaß verbringen werden. Super dargestellt und ich kann mich auch gleich mit diesem Charakter identifizieren.

Doch nun schon gleich die erste Angriffswelle: Eine Lykanthropenhorde soll bezwungen werden und man erhält gleich die Hinweise, dass X für Direktangriffe, Y für Flächenangriffe und A zum Springen dient. Diese kann, soll und muss man auch miteinander kombinieren, um dadurch neue Aktionen zu erlernen und tödliche Techniken zu entfesseln. An einem Jungbrunnen kann ich meine Gesundheit mit RT regenerieren. In diesen ersten Kämpfen fällt auch gleich auf, dass es ein wenig blutiger zur Sache geht. Mit der B-Taste lassen sich Dolche werfen und mit RT lassen sich Gegner packen und durch rechtzeitiges Drücken einer beliebigen Taste führt Gabriel dann, mit den gepackten Gegnern in der Hand, Spezialattacken aus. Nun gilt es noch 25 Erfahrungspunkte durch Töten der Gegner zu erlangen und schon beginnt der erste kleine Bosskampf: Ein großer Warg packt mich und ich kann mich lediglich durch schnelles Drücken der B-Taste befreien. Anschließend erlerne ich noch Blocken und Ausweichen. Der Kampf endet, indem der Warg erstmal geschwächt werden muss und er sich dann auf einen Felsbrocken hinsetzt, um von dort einen Angriff zu starten. Neben Gabriel leuchtet ein Pflock auf, den es gilt im richtigen Augenblick mit RT aufzustellen. Natürlich springt der Warg mit dem Kopf voran mitten in den Holzpflock und mir bleibt zum wiederholten Male beim Anblick dieser faszinierenden Grafik die Luft weg…

Damit wäre die erste von über 50 unterschiedlichen Szenen abgeschlossen und wir gelangen ins Statistik-Menü. Dort sieht man, auf welchem Schwierigkeitsgrad gespielt wurde, welche Monster man wie oft besiegt hat, welche Relikte gefunden sind und dass neue Bilder freigespielt wurden. Diese Bilder lassen sich für jedes Kapitel kaufen, dienen aber lediglich dazu, einen Erfolg freizuschalten. Abschließend gelangt man auf die Weltkarte. Dort ist es möglich, bisherige Level erneut aufzusuchen, beispielsweise um in einem anderen Schwierigkeitsgrad zu spielen oder auch um die angestrebten 110% für jedes Level zu erhalten. Dieses ist nur dann möglich, wenn ihr das jeweilige Level in allen Schwiergkeitsstufen schafft, ihr gegebenenfalls alle Magiesteine und Waffen-Upgrades findet und die angezeigte Mission erledigt habt.

Hier findet sich für mich auch schon gleich der erste Kritikpunkt. Es gilt für jedes Level EINE Mission zu erfüllen. Diese wird allerdings erst angezeigt und ist somit auch erst dann machbar, wenn das Level bereits abgeschlossen ist. Selbst wenn man während des ersten Durchlaufes, ohne von der Mission zu wissen diese Aufgabe unwissend bewältigen sollte, gilt dieses nicht. Will man also die Missionen erledigen, muss man definitiv einen zweiten Durchgang angehen.

Im nächsten Level erlebt Gabriel die erste Begegnung mit seiner verstorbenen Frau und erfährt, dass er den heiligen Wächter des Sees finden soll und dieser Weg durch den Wald führt. Hier erhält man eine Einweisung, wie geritten wird. Auch dieses ist ein recht großer Bestandteil des Spieles, da es im weiteren Spielverlauf oftmals darum geht, Rätsel auf dem Rücken verschiedener Wesen wie Warzenschweine, Spinnen, Wargs oder Trolle, zu lösen. In diesem Level erfährt man nun noch etwas von einem Lebensstein-Medaillon. Findet man fünf magische Steine im Spiel, füllt sich das Medaillon und die Kapazität des Lebensbalkens erhöht sich. Gleiches gilt auch später für die beiden Medaillons der Licht- und der Schattenmagie. Dafür sollte man sich im Spiel sehr gut umschauen, da sich solche Steine lediglich in Leichen finden, die durchsucht werden müssen. Zudem findet man in diesen Leichen auch Schriftrollen, die einem häufig nutzvolle Informationen zum jeweiligen Abschnitt oder zu Rätselaufgaben geben.

Auf dem Bildschirm sehen wir also oben links unseren Lebensbalken in grün. Direkt darunter die verschiedenen Zweitwaffen, die sich mit dem Steuerkreuz wechseln lassen. Unten links den blauen Balken für die Lichtmagie, und unten rechts den für die Schattenmagie. Lichtmagie dient dazu, bei Aktivität durch Schläge sich selber zu heilen. Schattenmagie hingegen ermöglicht es Gabriel bei seinen Kämpfen stärkeren Schaden zu verursachen. Sehr ansprechend, weil der Bildschirm dadurch nicht so voll wirkt und die Hauptgeschehnisse alle bestens zu sehen sind.

Apropos Zweitwaffen: Im Reisetagebuch lassen sich zu jeder Zeit neue Kampftechniken und Fähigkeiten kaufen. Diese “bezahlt” man mit Erfahrungspunkten, die man durch Kämpfen und Rätsel lösen erhält. Hier lässt sich auch das Inventar aufrufen und man erhält nützliche Informationen über Castlevania und seine Bewohner. Am Interessantesten sind hier jedoch die Talente. Hier unterscheidet man zwischen einfachen Aktionen, fortgeschrittenen Techniken, Zweitwaffen, Reittieren und Reliktkräften. Hier sind nämlich alle Talente einzeln aufrufbar und man erfährt die nötige Tastenkombination dafür. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es im leichtesten Spielmodus eigentlich nicht nötig ist, sich die komplizierteren Aktionen einzuprägen. Doch bei den höheren Schwierigkeitsgraden sollten diese Techniken und Kräfte schon genutzt werden, da es sehr viel strategischer wird.

In Castlevania - Lords of Shadow geht es hauptsächlich darum, sich durch Gegner zu kämpfen, jede Menge Rätsel zu lösen und sich unterschiedlichen, beeindruckenden Bossen zu stellen. Zu den Rätseln lässt sich sagen, dass sich alle mit der dazugehörigen Schriftrolle direkt, mit einem einzigen Tastendruck, lösen lassen könnten. Allerdings erhält man dann keine Erfahrungspunkte, die nicht unerheblich sind. Ich habe das Spiel bis zum Ende gespielt und kann sagen, dass ich alle selber gelöst habe. Hin und wieder wird es ein wenig kniffliger, allerdings sind alle Rätsel machbar und unterm Strich erhöht sich dadurch auch die Spielzeit und der Spielspass.

Zudem besteht Castlevania - Lords of Shadows aus sehr vielen Kletter- und Sprungpassagen. Auch diese sind alle zu schaffen, allerdings kommt es häufiger vor, dass man die Kanten nicht gut erkennen kann. Das liegt teilweise an der Entfernung, die die Kamera vorgibt, zum anderen an der recht dunklen Umgebung. Solltet ihr einmal versehentlich abstürzen, kein Problem, ihr beginnt wieder an der gleichen Stelle und habt lediglich etwas Lebensenergie verloren.

Richtig, eine Kamera gibt uns die Perspektive vor. Vergesst den rechten Stick in diesem Spiel. Ihr habt keine Möglichkeit, euch eigenständig umzuschauen. Grundsätzlich haben die Entwickler die Kameraperspektive über die komplette Länge des Spieles recht gut gelöst, allerdings steckt man schon häufiger hinter einem Felsen oder einem Baum und man hat keine freie Sicht. Oft etwas problematisch, wenn man beispielsweise schnell reagieren muss. Es lässt sich aber sagen, dass die Kamera schon meist auf Spielhöhe ist und eigentlich ist es mitunter auch wieder ein Grafikgenuss, quasi die Perspektiven mit der Kamera mitzuverfolgen.

Der Spielverlauf ist recht linear und es gibt sehr selten mehrere mögliche Wege. Allerdings sollte man trotzdem alle Ecken absuchen, da häufig in einigen Nischen oder Verstecken noch zu plündernde Leichen liegen. Dazu kann man auch noch sagen, dass anfangs nicht alle Dinge aufzufinden sind, da Gabriel noch für diverse Aktionen die Fähigkeiten fehlen. Hierdurch steigt natürlich der Wiederspielwert der einzelnen Level.

Zum Sound fällt mir auf, dass das Orchester sehr düstere Musik spielt, die dem Ambiente des Spieles zuträglich ist. Allerdings gibt es viele Passagen ohne Hintergrundmusik oder Soundkulisse, was ich sehr schade finde. Dadurch gibt es ein paar Abzüge bei der Note. Der Story fehlt es an Abwechslung und Überraschungsmomenten, hier hätte mehr Spannung hineingebracht werden können.

Doch kommen wir nun zum besten Punkt im ganzen Spiel: Die Grafik! Mit sehr viel Liebe zum Detail haben die Entwickler sich ans Werk gemacht. Es ist völlig egal, in welchem Bereich ihr euch gerade im Spiel befindet, ob Wasser, Wälder, Mauerwerke, Türme oder Höhlen - alles Top. Doch nicht nur die Grafik im eigentlichen Spielverlauf fällt sehr positiv auf. Bei den Zwischensequenzen und auch speziell bei den Bosskämpfen hat man den Eindruck: Mehr geht nicht! Hier wird wohl alles aus der Xbox 360 rausgeholt, was rauszuholen ist.

Zu guter Letzt möchte ich noch erwähnen, dass euch Castlevania - Lords of Shadow noch ein interessantes Minispiel bietet. Das taucht zwar erst im späteren Spielverlauf auf, allerdings lässt sich dieses Schach-ähnliche Spiel später in den Extras wiederfinden und ihr könnt es dann in drei Schwierigkeitsstufen und auch zu zweit erneut spielen. Insgesamt gibt es 42 Erfolge zu erreichen. 24 davon sind geheime Erfolge.

Fazit:
Castlevania - Lords of Shadows bedient sich bei vielen anderen bekannten Spielen. Erfahrene Spieler werden hier nichts Neues erleben. Das Rad wurde also nicht neu erfunden, trotzdem gehört Castlevania - Lords of Shadow in jede gute Spielesammlung. Alleine die herausragende Grafik ist ein Erlebnis und der Spielspass geht auch durch die abwechslungsreichen Abschnitte wie Kämpfen, Klettern, Rätsel lösen und Bosskämpfe nicht verloren. Lediglich zur Mitte der Geschichte kam mir das Spiel kurzzeitig ein wenig träge vor, doch zum Ende hin zieht es wieder an. Die Story schwächelt ein wenig, ebenso hätte auch noch an den Musik- und Soundeinlagen mehr gearbeitet werden dürfen. Unter diesen Gesichtspunkten ist Castlevania - Lords of Shadow kein absolutes Top-Game, doch mit Sicherheit kratzt es an den oberen Regionen.
Tester: Marcus von Reth

  • Releasedatum: Donnerstag, 07 Oktober 2010
  • Preis: 30,90 €
  • Genre: Action-Adventure
  • Altersfreigabe: USK: 16
  • Plattform(en): Xbox 360, PS3
  • Sprache(n): Englisch/Deutsch
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