Fable 3

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Ziemlich genau vor zwei Jahren veröffentlichte Microsoft Fable 2. Ab dem 29. Oktober steht nun Fable 3 in den Regalen und für uns ist es natürlich ein Anlass, den Nachfolger genauer unter die Lupe zu nehmen. Ein würdiger Nachfolger oder einfach nur eine Fortsetzung des Erfolgsgeheimnisses? Der König ist tot, es lebe der König!

Die Söhne unseres stummen Helden aus Fable 2, sind die Hauptprotagonisten im neuesten Teil der Serie. Logan ist rechtmäßiger König von Albion geworden. Doch er ist bösartig, hinterlistig, unterdrückt die Bewohner, Arbeiter und Kinder, giert nach Macht und vor allem nach Reichtum. Wir leben im Zeitalter der Unterdrückung, in der Freiheit ein Traum ist und wo der Ruf nach Rebellion lauter wird. Doch wer soll die Revolution anführen und zum Sturz des Königs aufrufen? Ihr ahnt es bereits - dieses Schicksal liegt in eurer Hand. Als Bruder des Königs die Rebellion anführen und sein eigen Fleisch und Blut stürzen? Ist Blut nicht dicker als Wasser oder wird die Moral siegen und Albion wieder von einem guten König regiert? Diese Fragen werden euch im Laufe des Spieles beantwortet werden…

Zu Beginn des Spieles habt ihr erstmal die Wahl, ob ihr als Prinz oder als Prinzessin spielen wollt und schon seit ihr mittendrin, in einem sehr witzigen Anfangsfilm, in dem ein Huhn versucht euer Leben zu retten. Meine Wahl fiel auf den Prinzen. Nachdem ihr eure erste Kleidung ausgewählt habt, geht das Abenteuer richtig los. Euer treuer Diener Jasper stellt sich vor und wird euch im weiteren Spielverlauf mit nützlichen Tipps versorgen. Gleich zu Beginn habt ihr ähnlich wie in Fable 2 einen Hund an eurer Seite und auch Altbekanntes fällt gleich auf - die goldene Linie zeigt euch den richtigen Weg. Ihr befindet euch diesmal zu Beginn des Spiels im Schloss und als Prinz sollte es nun mal selbstverständlich sein, eine schöne Geliebte an seiner Seite zu wissen. So macht ihr euch im Schlosshof also erstmal auf die Suche nach Lady Elise.

Zunächst lässt sich aber sehr schnell erkennen, dass es in Fable 3 wieder die Möglichkeit gibt, den guten oder den bösen Weg zu wählen. Wenn man seinen Hund zu sich pfeift, zeigt sich gleich die Auswahl, ob man ihn streicheln, ausschimpfen oder ihn apportieren lassen möchte. Gut oder böse, das Spielgeschehen wird sich euren Entscheidungen anpassen. So könnt ihr z.B. direkt im Schlosshof den ersten Wachen entweder die Hand schütteln oder sie anrülpsen und es erscheint auch schon ein Erfolgsfortschritt. Mit LT kann man Leute an die Hand nehmen, die euch dann folgen. Bei diesen Interaktionen fällt gleich auf, dass hier an der Grafik ordentlich gearbeitet wurde. Wenn unser Held seinen Hund streichelt und knuddelt, wirkt dieses viel flüssiger und unterhaltsamer. Auch die erste Kiste ist im Schlossgarten auffindbar, doch diese benötigt Silberschlüssel, die es zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht gibt. Nach diesen ersten Gehversuchen in Fable 3 findet man auch Elise und ihr habt die Möglichkeit sie zu küssen. Doch die Harmonie wird schnell gestört. Sir Walter, euer Kampflehrer und Weggefährte im Laufe des Spieles, berichtet euch von einer Demonstration gegen den König. Ihr sollt Elise zur Küche bringen, eine Rede schwingen und anschließend Walter in den Trainingsraum folgen.

Die Tastenbelegung für Kämpfe ist recht simpel und aus Fable 2 übernommen. X für Nahkampf, Y für Schusswaffen und B für Magieangriffe. Nun macht ihr euch auf den Weg zum König, um diesen zur Rede zu stellen. Schließlich seid ihr der Prinz und möchtet Logan davon überzeugen, dass es so nicht weiter gehen kann. Doch dieser lässt keineswegs mit sich reden, ganz im Gegenteil. Ihr werdet vor die Wahl gestellt, entweder eure neue Liebe Elise oder aber die Demonstranten vor den Toren sollen getötet werden. Die Entscheidung liegt bei euch…

Die anschließende Flucht durch die Kanalisation bringt euch eine ausführliche Einführung ins Spiel. Vorher erhaltet ihr von Walter noch ein Gildensiegel. Auch hier sehen wir gleich eine Verbesserung zum Vorgänger. Durch Bezwingen von Feinden, Interagieren mit Mitmenschen und durch Quests erhöht sich der Wert des Siegels. Doch was machet man dann mit diesem, sich füllenden Gildensiegel? Ihr könnt damit auf die sogenannte Siegesstrasse. Die Siegesstrasse ist ein mystischer Pfad, den ihr auf dem Weg zum Thron beschreiten müsst, um ein legendärer Held zu werden. Diese Siegesstrasse ist durch Tore getrennt und auch die altbekannte Theresa, die Seherin des Turms, findet sich in dieser Himmelswelt wieder. Die Erfahrungspunkte aus dem Gildensiegel könnt ihr hier gegen das Öffnen von Kisten eintauschen. So könnt ihr nach und nach neue Zauber erlernen, eure Kampffähigkeiten verbessern, Färbemittel kaufen, neue Ausdrücke lernen oder auch Fähigkeiten wie beispielsweise das Kaufen von Häusern und Geschäften eintauschen. Je weiter ihr im Spiel voranschreitet, umso mehr Tore werden sich öffnen. Tolle Idee und prima umgesetzt.

Nun, Albion braucht eine Revolution und dafür einen Anführer. Doch ohne Unterstützung der Bewohner Albions ist keine Rebellion möglich. Ihr braucht also Unterstützung für bessere Verhältnisse. Das Spielsystem ist so aufgebaut, dass es im weiteren Verlauf darum geht, verschiedene Orte aufzusuchen und durch Quests für die jeweilige Ortschaft, die Gunst der Bürger und somit die Unterstützung für die Revolution zu erhalten. Im Gegenzug muss unser Prinz allerdings unterschreiben, dass er sich im Falle der Thronfolge für bessere Umstände am jeweiligen Ort einsetzt und die genannten Forderungen umsetzt. So sind es im Vagabundenlager zu Beginn drei Aufgaben, die für Sabin erledigt werden sollen, damit sich die Bewohner auf eure Seite schlagen. Auf dem Weg dorthin gibt es natürlich die ersten Kämpfe, Silberschlüssel, Schatzkisten, Ausgrabungen und Dämonentüren. Alles vertraute Dinge aus Fable 2. Einzig die Gargoyles aus dem Vorgänger werden hier durch Zwerge ersetzt, doch das Prinzip bleibt das gleiche. Beschimpft euch jemand bei der Erkundung der Karte, ist ein Zwerg in der Nähe, der im wahrsten Sinne des Wortes danach schreit, vernichtet zu werden. Doch unterm Strich sind solche Dinge quasi eins zu eins übernommen worden. Da hätte ich mir ein wenig mehr Flexibilität gewünscht, da wir hier von einem neuen Fable reden und keinem Add-On des zweiten Teiles.

Doch zunächst noch zu einem sehr positiven Aspekt des Spieles. Mit der Start-Taste kommt ihr in den Unterschlupf eures verstorbenen Vaters, in dem auch Jasper, euer Diener zu finden ist. Dieser erklärt euch ausführlich, wie dieser Raum zu nutzen ist. In der Mitte befindet sich eine Karte. Zudem gibt es einige Türen, die euch in die Umkleide und Waffenkammer bringen. Ein Raum dient für Koop-Verbindungen, ein anderer für Statistiken oder ein Zugang zum Finanzraum. Highlight dieses Unterschlupfes ist für mich die Weltkarte. Jeder Ort ist mit einer Lupe genauer zu betrachten. So ist es hier ziemlich einfach umzusetzen, gleich auf der Weltkarte Häuser zu kaufen und zu vermieten. Das ist zwar nach wie vor auch direkt vor Ort, wie gewohnt möglich, doch hier hat man schnell einen Überblick über die Geschäfte und Häuser eines Ortes und kann somit ziemlich zügig und ohne lange Laufwege neue Häuser kaufen. Neu ist auch, dass nun Häuser und Geschäfte repariert werden müssen. Da hier alle aktivierten Quests und auch die unterschiedlichsten Läden angezeigt werden, entfällt somit das ewige Suchen nach dem benötigten Laden wie im Vorgänger. Wie häufig litt der Spielspass noch bei Fable 2, weil man aktuell nicht wusste, wo sich beispielsweise der nächste Möbelladen befindet? Dieses Problem gibt es in Fable 3 nicht mehr. Alles ist sehr übersichtlich dargestellt und per Schnellreise verfügbar. Bei der Auswahl der Orte erfährt man auch auf einem Blick, wie viele Quests dort verfügbar sind, die Anzahl der versteckten Silber- und Goldschlüssel und die erlegten Zwerge.

In Fable 3 gibt es viel Bekanntes zu entdecken ,wie auch einiges Neues. Ob ihr nun auswählen könnt, ob eure Hochzeit auf der Strasse, auf einer Brücke oder in der Akademie stattfindet, so könnt ihr beispielsweise auch mit Handelsware ein paar Taler hinzuverdienen. Jobs könnt ihr natürlich auch wieder annehmen. Ob als Konditor, als Schmied oder als Laute-Hero, das dazuverdiente Geld könnt ihr wieder sinnvoll in neue Immobilien investieren. Hohle Männer laufen wieder scharenweise auf einen zu und Sexualität spielt auch in Fable 3 wieder eine große Rolle. Es fällt deutlich auf, dass Albion nicht mehr so schillernd bunt ist wie in Fable 2. Hier haben die Entwickler einen deutlichen Bezug zu der knechtenden Herrschaft des Königs geschaffen und den Weg für eine neue, bedrückendere Atmosphäre geebnet. Dazu passt auch die musikalische Untermalung. Diese Dinge sind prima umgesetzt, die realistisch zur Situation Albions beitragen. Doch soviel Gold? Leider ist nicht alles Gold, was glänzt. Auch die negativen Dinge müssen zur Sprache gebracht werden. Und dazu komme ich jetzt…

Zunächst einmal zu den Programmfehlern. Zum einen ist beim Ausführen des Jobs als Konditor bei einem Multiplikator von 10 Schluss. Die Tätigkeit wird zwar nicht abgebrochen, allerdings erhöht sich der Faktor nicht mehr. Zum anderen, befindet man sich in Brightwall, führt die goldene Glitzerlinie bei jedem Quest erstmal in die Bibliothek, obwohl man dort nicht hin muss. Nachdem man diese nun besucht hat, wird wieder der richtige Weg angezeigt. Vermutlich lassen sich diese Dinge durch einen eventuellen Patch beheben.

Grafisch gibt es zu beiden Vorgängern kaum Veränderungen bzw. Verbesserungen. Die Interaktionen sind flüssiger dargestellt doch die Optik der kompletten Spielwelt ist nicht mehr auf dem neusten Stand. Viele Clipping-Fehler tragen zu einem schlechten Eindruck noch mehr bei. Details gibt es kaum zu sehen und ein Blick in die Ferne sieht nur matschig aus. Auch die Texturen sind sehr verwaschen. Anfangs noch ein paar nette Filmsequenzen, doch nach und nach wird dem Spieler bewusst, was hier wirklich geboten wird. Atmosphärisch eigentlich gut umgesetzt, doch grafisch hinkt Fable 3 stark hinterher.

Fable 3 ist in zwei große Spielabschnitte unterteilt. Dieses ist allerdings der einzige Punkt, der die Story ein wenig interessanter und abwechslungsreicher macht. Für mich gab es keine Überraschungsmomente, alles ist sehr vorhersehbar und somit wirkt die Story auf mich eintönig und langweilig. Doch sollten die Side-Quests ein wenig mehr versprechen? Es gibt zwei bis drei Quests, die sich von den anderen deutlich abheben und auch aufeinander aufbauen. Doch vieles wiederholt sich. In einer Höhle etwas finden, jemanden an einen bestimmten Ort bringen, im Hühnerkostüm ein paar Hühner einfangen. Nicht wirklich viel Neues und auch keine nennenswerte Abwechslung neben der Hauptstory.

Mein letzter Kritikpunkt betrifft den Schwierigkeitsgrad des Spieles. Vielleicht sollten die Entwickler sich für die Zukunft mal überlegen, verschiedene Schwierigkeitsgrade anzubieten. Ich bin im kompletten Spielverlauf nur ein Mal gestorben, aber auch nur, weil ich vergaß, mich vorher mit Heiltränken zu versorgen. Und selbst wenn man mal sterben sollte, steht man wie beim Vorgänger an gleicher Stelle wieder auf. Dieser Punkt hat Fable 2 schon einfach gemacht, doch Fable 3 bietet in diesem Punkt überhaupt keine Herausforderung mehr und Spannung in den jeweiligen Kämpfen kommt überhaupt nicht auf. Auch die Spieldauer der Storyline wurde im Gegensatz zu Fable 2 nicht verlängert. Nach rund 10 Spielstunden ist das Hauptquest beendet, doch anschließend kommt ihr wieder problemlos ins Spiel zurück, um euch um die noch offenen Sidequests und Erfolge zu kümmern.

Fable 3 hat ein Wendecover und es gibt 50 Erfolge zu erreichen. Leider war es mir noch nicht möglich, den Online-Bereich zu testen, da diese Funktion zum Zeitpunkt des Testes noch nicht zur Verfügung stand. 

Fazit:
Fable 3 wird mit Sicherheit wieder viele begeistern, doch mich hat es eher enttäuscht. Ein neues Fable ist es nicht geworden, so dass die Fans der ersten Teile wohl aufatmen werden, da sie sich direkt gut zurechtfinden. Fable 3 ist kein schlechtes Spiel, sollte auch einmal durchgespielt werden, doch dann kann es auch wieder ins Regal. Für ein Top-Spiel ist mir das allerdings einfach zu wenig und Fable 3 hat aus meiner Sicht zu viele Schwächen. Ein solides Spiel, doch kein Titel, der das Prädikat “besonders wertvoll” erhalten sollte. Grafisch veraltet, eine vorhersehbare, zu kurze Hauptstory und ein zu geringer Schwierigkeitsgrad. Um ehrlich zu sein, Fable 2 gefiel mir in vielerlei Hinsicht besser. Aber seht selber und macht euch euer eigenes Bild. Vielleicht bietet ja der Online-Koop-Modus noch die ein oder andere positive Überraschung.
Tester: Marcus von Reth

  • Releasedatum: Freitag, 20 Mai 2011
  • Preis: 24,49 €
  • Genre: Rollenspiel
  • Altersfreigabe: USK: 16
  • Plattform(en): Xbox 360, PC
  • Sprache(n): Deutsch
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